Wir nennen es Dosenfischen

30 km bis zum Final

Im Geocache „Willkommen in Schwerin“ fragt der Owner nach den Gründen für einen Schwerinbesuch. Wir sahen es sportlich und gaben seiner Zeit unter anderen den Fünf-Seen-Lauf an, ein Sportereignis, an dem 3000 bis 4000 Läufer, bei weitem nicht nur aus Schwerin, teilnehmen. Auch wenn Schwerin die Stadt der sieben Seen genannt wird, ob wohl ich bei meiner Zählung immer auf mehr als sieben komme, führt der Lauf „nur“ an fünf von ihnen vorbei.

Diesen Lauf gibt es seit 1985. In meiner Jugend habe ich die Läufer bewundert und mir vorgenommen eines Tages selbst einmal mit zulaufen. Dabei kann man unter drei Streckenlängen wählen, 10 km, 15 km und 30 km. Selbstverständlich kamen für mich nur die 10 km in Frage. Vor vier Jahren hatte ich mich dann endlich durchgerungen nicht nur von einer Teilnahme zu träumen. Im Internet habe ich mir die Streckenverläufe angesehen und war als Ortskundiger vom landschaftlichen Reiz der 30 km Strecke so begeistert, dass ich mich spontan dafür anmeldete.

Gestern war es wieder so weit, Laufbegeisterte aus ganz Deutschland kamen nach Schwerin, um beim 24. Fünf-Seen-Lauf zu starten. Unter ihnen auch mein Cousin Jörn aus Berlin. Um es gleich vorweg zunehmen, er ist (noch) kein Geocacher. So wie er hatten auch meine liebe Frau Anja und ich uns bereits im Januar angemeldet, Anja für die 10 km, Jörn und ich für die 30 km.

Der Start erfolgte am Schloss, somit in unmittelbarer Nähe zum Cache „Schloss Schwerin“. Tausende Menschen waren versammelt. Musik ertönte aus den Lautsprechern. Von allen Seiten wurden die Läufer angefeuert mit Zurufen, Klatschen, Trillerpfeifen, Rasseln… Das trug einen förmlich.

Auf den ersten Metern befand sich links das Schloss, rechts der Burgsee, der erste von fünf Seen auf dieser Strecke. Weiter ging es durch den Schlossgarten, vorbei am Cache „Schwerin Outbreak #7 – Schlosssicht“, entlang der Freilichtbühne, an den BUGA-Baustellen vorbei zum zweiten See, dem Schweriner See, der für die nächste halbe Stunde unser Weggefährte wurde.

Zwischen „Schwerin Outbreak Cache – es breitet sich aus“ und „Schwerin Outbreak #12 – “Haus der Verdammnis”“ lächelte uns ein Schild an „Nur nach 25 km“. Ob es uns wirklich motivierte, vermag ich jetzt nicht mehr zu sagen.

Weiter führte uns die Strecke am Zippendorfer Strand entlang, vorbei an der „Naturschutzstation Zippendorf“. Der Strand war erstaunlich leer. Es war vermutlich noch zu früh. Am Wetter kann es kaum gelegen haben, denn das war zu mindest zum Laufen schon fast zu gut. Zum Glück wird Schwerin nicht umsonst auch die Stadt der Seen und Wälder genannt, somit läuft man doch die meiste Zeit im Schatten.

Gleich nachdem wir den Strand hinter uns gelassen hatten, führte unser Weg in einen der schattigen Wälder und immer noch am Schweriner See entlang, vorbei am „Schwerin Outbreak #4 – Altstadtblick“. Diesen genossen wir jedoch nicht. Unser Blick war nach vorn gerichtet, als würde es so schneller gehen. Da erblickten wir vor uns zwei Läuferinnen mit den lustigen T-Shirts „Kilometerfresser“. Hoffentlich hat das abgebildete Krokodil großen Hunger und frisst etwas schneller. Tatsächlich, schon erreichten wir Mueß, ein ehemaliges Dorf, das jetzt zu Schwerin gehört. Ob es nun am Krokodil oder doch eher an der schönen Landschaft lag, dass mir der Weg so kurz vorkam, lasse ich jetzt mal offen.

In Mueß erwartet uns unser Fan-Block bestehend aus der kleinen Neeltje und ihrer lieben Oma. Wie ich leider erst nach dem Lauf erfuhr, wurden wir auch noch von anderen Fans am Straßenrand unterstützt. Ich hatte wohl nur Augen für meine zweijährige Tochter. Nach dem kurzen Abstecher durch dörfliche Gefilde ging es wieder zurück zum Schweriner See und „Zum Reppin“ einer künstlichen Burgruine, die in meiner Kindheit des Öfteren ein lohnendes Ausflugsziel war und immer noch ist.

An der abgebrannten ehemaligen Gaststätte „Zur Fähre“ verabschiedeten wir uns dann erst einmal für die nächste Stunde vom Schweriner See, um am Störkanal und durch die Lewitzwiesen nach Consrade zu laufen. Passend zu meinen jetzt langsam einsetzenden Wehwehchen wurden wir dort mit dem Schild „Ab dem Lewitzdorf Consrade geht es langsam in die Wade“ begrüßt. In Consrade ging es dann einen steinigen Berg, ja für mich war es ein Berg, in Richtung Mueßer Holz (ehemals Großer Dreesch III) hinauf, um dort gar nicht erst urbanes Gebiet zu betreten, sondern gleich nach links (Südwesten) in ein größeres Waldgebiet abzubiegen. Da führte uns der Weg am T5-Klettercache „Danke Schwerin“ vorbei. Als ich Jörn von diesem Cache und den Schwierigkeiten, ihn zu bergen, erzählte, war er mit seinen Gedanken voll beim Cachen, dass er nicht mehr auf den Waldweg achtete und stürzte. Zum Glück blieb es bei kleineren aber nicht minder schmerzhaften Hautabschürfungen. Kaum waren diesen Schmerzen vergessen erreichten wir den Stadtteil Neuzippendorf und liefen durch einen Wespenschwarm. Jörn schien vom Pech verfolgt zu sein und kassierte meinen Teil der Wespenstiche auch noch mit ein.

Durch Neuzippendorf ging es dann über den Berliner Platz am „Schwerin Outbreak #14 – Haus der Verdammnis“ vorbei wieder zum Zippendorfer Strand und somit zurück zum Schweriner See. Hier waren wir heute schon. Ein schönes Gefühl, es geht auf den Rückweg. Allerdings ist das Ziel nicht mit dem Start identisch, sondern liegt in Lankow. Noch mehr als 12 km liegen vor uns. Am Zoo lassen wir den drittgrößten See Deutschlands nun endgültig hinter uns und laufen an den Referenzkoordinaten von „Hey, Pippi!“ vorbei in Richtung Fauler See, dem dritten auf unserer Strecke.

Bei den Kängurus waren es nur noch zehn Kilometer! Vor drei Jahren begann ich hier mit meinem Endspurt. Heute war uns jedoch nicht danach. So liefen wir locker an „Schweriner Seen sehen – Fauler See“ vorbei zur „Webcam Ostorf“. Inzwischen hatten sich alle drei Streckenverläufe wieder vereint.

Links von uns lag nun auch schon der vorletzte der fünf Seen, der Ostorfer See. Kurz hinter dem „Ostorfer Graben“ ging es dann durch die Gartensiedlung von Görries in Richtung Neumühle zum fünften und letzten See.

Nur noch zwei Kilometer! Die sollten es aber noch einmal in sich haben. Der Lankower See wird von den Lankower Bergen umschlossen. Gleich am Südufer führt die Strecke hoch zum „Pickel“. Man hat bereits 28 km in den Beinen, und dann tut sich vor einem dieser steile Anstieg auf. Als ich vor drei Jahren diese Strecke zum ersten Mal lief, muss mein Gesichtsausdruck so entsetzt gewesen sein, dass eine junge Frau von der freiwilligen Feuerwehr, die da als Streckenposten stand, sich mit den Worten entschuldigte: „Ich kann nichts dafür!“

Wir sind den Anstieg natürlich gelaufen, Ehrensache! Hier oben hat man eine wunderschöne Aussicht, für die ich aber im Moment keinen Sinn hatte. Mir ging es eher wie auf dem Schild des Veranstalters: „Vor Euch liegt der See von Lankow, schwere Atmung wird zum Manko“. Ach, wie witzig! Bis zum Ziel geht es noch einige Male auf und ab. Das Ab ist dabei nicht unbedingt leichter als das Auf. Irgendwo in dieser sonst schönen Umgebung befindet sich „Aller Anfang ist schwer“. Das mit dem Anfang kann ich nicht ganz bestätigen. Mir viel das Ende wesentlich schwerer.

Dann erwartete uns in einer Kurve Anja, die ihre zehn Kilometer schon lange hinter sich hatte, mit den Worten: „Nur noch eine Runde!“ Das wären fünf Kilometer. Zum Glück bin ich heute diese Strecke zum dritten Mal gelaufen und so erschreckte mich ihr kleiner Scherz nicht. Hinter der Kurve ist der Zieleinlauf, keine 100 m mehr! Natürlich führt dieser bergauf, was sonst!

Final! Endlich geschafft! Im Lautsprecher kann ich Jörns und meinen Namen hören. Die letzten Meter trägt uns der Applaus der Menge. Es war ein schöner Lauf! Danke dem Veranstalter, den vielen freiwilligen Helfern, die Leuten an der Straße, die teilweise nicht nur jubelten, sondern auch Getränke und andere Abkühlungen bereithielten und natürlich Jörn. Seine Gesellschaft machte den Lauf leichter.

Die Strecke ist so schön und abwechslungsreich, dass ich sie jedem nur ans Herz legen kann. Man muss sie ja nicht laufen. Beim Wandern oder mit dem Rad kann man dann sicher auch den einen oder anderen Cache an der Strecke mitnehmen.

Zum Schluss interessiert mich noch, wie viele Geocacher an diesem Lauf teilgenommen haben. Kann man das erfahren?

4 Kommentare

  1. Herzlichen Glückwunsch, den Finishern! Die beiden Herren hab ich gesehen, aber leider Dich, lieber Sören, nicht erkannt, obwohl ich dachte Dich zu kennen, was ich aber mit der Größe von Schwerin erklärte. Das kommt davon wenn man bei den Cachertreffen fehlt. Aber bald einmal.
    Beim Lauf habe ich mir überlegt, dass man die Zuschauerquote in Fankurven erhöhen kann, wenn man irgendwas trackables trägt, wäre lustig, mit Schwierigkeitsgrad je nach Streckenabschnitt. ;-)
    Ich denke mal Ihr ward vor mir im Ziel, ich nach 3h6min27s, platt und stolz!

  2. Auch Dir herzlichen Glückwunsch, lieber ivalo, zu Deinen 30 km. Nein, wir waren nach Dir im Ziel. Auch wenn Du Dein gestecktes Ziel nicht erreicht hast, Du bist gesund ins Ziel gekommen. Das ist das Wichtigste. Wenn Du dann auch noch Spaß hattest, ist doch alles bestens.

  3. Moin Moin

    ich bin diesen Lauf früher ein paar Male gelaufen, es war fast mein Lieblingslauf, weil die Landschaft einfach toll ist. Schon der Start am Schloss hat mich immer sehr beeindruckt. Bei zuviel Wärme wollte ich so manches Mal in einen der Seen springen ;-) “Meine Strecke” waren auch immer die 30 km.
    Viele Grüße aus Hamburg
    von Frau tÖse

  4. Da fällt mir immer ein Zitat aus einem meiner Lieblingsbücher ein. Tony Hawks – Mit dem Kühlschrank durch Irland. Auch ansonsten ein grandios unterhaltsames Werk. Der Autor hat im Suff gewettet mit einem Kühlschrank(!) einmal rund um Irland zu trampen.

    “Warum unterwirft man sich unbeschreiblichen Schmerzen und Entbehrungen, wenn es auch die Möglichkeit gibt, mal kurz ein bisschen bummeln zu gehen und danach ein wenig zu ruhen? Warum einhändig segeln, wenn man einhändig lesen kann, warum wandern, wenn man Taxi fahren kann, warum sich abseilen, wenn man die Treppe benutzen kann, warum stehen, wenn man sitzen kann, warum sich die Greatest Hits von Oasis anhören, wenn man sich das Leben nehmen kann?
    Und es nützt nichts, so zu tun, als wäre das W.E.L.B.T.-Syndrom [wird etwas leicht Blödsinniges tun] selten, denn wir alle kennen jemanden, der an ihm leidet. Irgendjemand in der Arbeit oder dessen Bruder oder jemand in der Aerobic-Stunde ist schon mal einen Marathon gelaufen. 42,195 Kilometer. 42,195 sinnlose Kilometer. Und kennen wir jemanden, dem es Spaß gemacht hat? Natürlich nicht. Sie tun vielleicht so, als würde es ihnen Spaß machen, aber sie lügen. Das Leben ist voller Geheimnisse, Zweifel und unergründlicher Rätsel, aber wenn wir uns einer Sache sicher sein können, dann dieser:

    42,195 Kilometer zu rennen ist kein Spaß.” ;)

    Happy Runnning. :)

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