Ein Dosenfisch auf Sardinien – Kapitel 3
Ein Dosenfisch auf Sardinien – der komplette Reisebericht als pdf
Im zweiten Kapitel hat uns der geneigte Leser bis nach Livorno begleitet – die erste Nacht in Italien, die Maudstationsparanoia, die Passfahrten. Der Anschlusssatz: Wie gefordert, zwei Stunden vor Abfahrt unserer Fähre rollten wir in den Hafen und sahen zum ersten Mal…
Schrankwand der Meere
…das Schiff. Eine wahre Schrankwand, nein ein Borg-Quader in weiß, eine zu einem riesigen Baustein geschnitzte Insel, kurz etwas, das der Form nach alles vorgab zu sein, nur keine stolze Königin der Meere, Bezwingerin der Stürme. Doch natürlich: Allein diese Form erlaubt dem Dampfer, all die Autos, LKW, Wohnmobile, Bootsanhänger und Kleintransporter an Bord zu nehmen. Das waren so viele, in den Reihen am Kai, so viele. Stolze 1000 passen hinein in die Moby Tommy, sagt das Internet. Zwischen all denen, in einer ausgelassenen Wartegemeinschaft der Individualtouristen und Profifahrer, aßen und rauchten wir uns dem Moment entgegen, da auch wir uns im Schiffsbauch einrichten konnten.
Die Nacht an Bord
Trocken war die Luft in den Gängen und Restaurants, im Kinderspielparadies und im Automatenzockerkabuff. Trocken und kalt. An Deck hingegen stand sie so feucht und warm, dass unsere Hemden an der Haut klebten, die Jeans schwerer wurden. Fast schon schmeckten wir das Salz auf den Lippen. Wir spürten das Schiff vibrieren beim Ablegen, sahen den Lotsen von Bord gehen über eine Strickleiter auf das schwankende Lotsenboot bei voller Fahrt, tranken Kaffee, aßen Teigfladen, gefüllt mit Salami zweifelhafter Herkunft. Wir streunten über die Decks, überall lagen Menschen in Schlafsäcken, auf Isomatten und Luftmatratzen, ganze Familien lagen da und hier und – ehrlich – überall und als wir genug hatten vom Anblick so vieler schlafender Menschen, lehnten wir uns ganz oben auf dem Hubschrauberlandeplatz in den Wind. Um halb fünf, als schon fast wieder Licht war, schliefen wir ein, Hannes in einem der vorher reservierten Schlafsessel und ich an Deck auf einer schmalen Gartenbank. Eine Stunde später war es hell und mild war der Wind, dunkel und stark hingegen der Kaffee. Ich machte Fotos von der Reling, Olbias Hafen kam in Sicht, ein Lotse ging an Bord, dann wurden wir in die Autos gerufen. Auf der Insel reihen wir uns ein in den Stau und später auf der Autobahn durchqueren wir ein karges, ockerfarbenes Land, fast baumlos und doch mit grünen Tupfern überall.
Von Nord nach Süd via West
Wir suchten den Weg an die Westküste. Die Karte versprach ausgedehnte Dünen und blitzweiße Strände, größtenteils vom Touristenstrom unentdeckt. Und genau das bekamen wir – erst in den Blick- von der Straße aus. Sand überall, Sand in sanften Hügeln über hunderte von Metern bis zur See. Sand, der nur von einigen Gräser bewachsen, Sand, der vom Wind immer neu arrangiert wird, Sand der ins Meer verschwindet. Und all das von einer brennenden Sonne beschienen – als Ahnung der nahen Wüsten Nordafrikas.
Dann sagte das Navi das Ende der Straße voraus. Als Sandpiste schlängelte sie sich nun durch die Hügel. Hinab ging es bis ins fast trockene Flussbett, dann durch das flache Wasser und wieder hinauf, noch eine Flussquerung und dann tat ein paradiesisches Ensemble sich auf: ein Strand, breit wie zwei Fußballfelder lang sind, eine Strandbar mit Charme, strohgedeckt, wie die Dächer für die Strandbarbesucher, die von dort grad so sehen: das Meer. Das Meer mit seinen kräftigen, nach allem schmatzenden, Kobolz schlagenden Wellen. Der Sand verbrannte uns die Füße und das Meer kühlte sie, auf dem Rücken trieben wir durch die wackelige See und alles erschien uns enorm richtig so, genau wie es war.
In Richtung Südosten kurvten wir weiter auf der Sandpiste. Zur Linken ein Flussbett, das erahnen ließ, wie dieses Rinnsal wüten kann, das für uns an diesem Tag kaum sichtbar war. Und wie zur Bestätigung aller Kopfkinobilder von schmutzig braunen Wassermassen, die bis hoch an die Straße das Ufer schleifen, taucht plötzlich ein Geisterdorf auf. Häuser, die Kirche, die Ställe und Mauern… alles Ruinen und Bruch, lange verlassen und – ganz sicher – ich hätte mich nicht gewundert, wenn gefährliche Mundharmonikaschluchzer aus der Ferne zu uns herübergeweht wären.
Zum Abend hin näherten wir uns den Zielkoordinaten. Wir hatten Sardinien ein S auf die Karte gefahren. Nach ein paar Wirrungen, die unter anderem mit fehlenden Funkmasten für die Nutzung eines Handys zu tun hatten, fanden wir unsere Gastgeber. Wir definierten den Begriff Villa noch einmal neu, planschten im Pool, schauten auf den Turm da mitten Im Meer, zählten mit, wenn das Leuchtfeuer an der Hafeneinfahrt blinkte. Angekommen zu sein, das machte ein seltsames Gefühl. Melancholisch irgendwie. Weil es ja auch ein Ende war. Andererseits…
Das war das Reisetagebuch einer ganz normalen Autofahrt von Schwerin via Berlin bis nach Pula, Sardinien. Im Nachwort wird gesprochen werden müssen über den Tagesrhythmus bei 38 Grad, über den italienischen Verkehr und drei Geocaches.

Hach, es ist als wär’ ich heimlich in Eurem Auto gesessen und mitgefahren!
Irgendwie ist mir warm und der Sand in meinem Schuhen stammt ganz sicher von Eurem Strand….
Ein toller Bericht, habe mich köstlich amüsiert, kenne ich die Strecke bis zur Fähre aus einigen Italien- und Schweiz-Urlauben sehr gut. Wer in Italien ohne Unfall durch die Lande kommt braucht in Deutschland keine Situation im Stadtverkehr mehr zu fürchten.
Warte ungeduldig auf die Fortsetzung
Grüße aus Heidelberg
Hi!
Super Bericht mal wieder!
Vor allen die schönen Autofahrten nach Italien, so als Einstimmung, bringen es wirklich! Gesperrte Tunnel, kotzende Kurvenkids, gebuchte Fähren, die abzufahren drohen, MAUT MAUT MAUT und Geschwindigkeitskontrollen. Echt chillig und nachzuhören im Gassipod 49a über Elba.
Wir waren auch vor zwei Jahren auf Sardinien und die Cacheversuche waren sehr bescheiden (sprich: #1) – die Wege waren einfach zu lang, zumindest wenn man wie wir damals im Südosten der Insel ist.
Zumindest ein Besuch der Grotten kann ich sehr empfehlen, da man da selbst mit dem Zodiac fahren darf. Und beim Anlegen in der “Luna-Bucht” bricht Dir dann der kalte Schweiß aus, weil man (wenn man sowas vorher noch nie gemacht hat) Angst hat, den Badegästen die Hirne zu schreddern.
Also, schönen Urlaub noch sagt der Tom (auch im Urlaub, in der Provence)
PS: Ich arbeite ja gerade an “Nie wieder Italien 4″ als GassiPod-Folge, Script ist zumindest schon mal fertig :O)
Schön, auch diesen Part “mitgefahren” zu sein!
Und da ist sie wieder, die “journalistische Maßeinheit”. Alles, was größer als eine Damenhandtasche und kleiner als Rußland ist, wird in Fußballfeldern gemessen.
Nadann… Bis zum Nachwort! (gibts eigentlich ein paar Bilder zum Appetitholen?)
Ein Fußballfeld oder das Saarland – das sind der Journalisten liebste Vergleichskinder. Weil die Herren Berufsschreiber davon ausgehen, dass sich alle ein Fußballfeld bzw. das Saarland vorstellen können. Wär ja auch doof, wenn es hieße “der Strand ist so groß wie der in Tarnewitz.” Wüsst ja keiner Bescheid
Aprospos – ich hatte durch Zufall mal eine Seite gefunden, die jede Menge Vergleiche angeboten hat. Man hat die Maßzahl eingetragen – etwa 1 Tonne – und die Seite hat gesagt: So schwer wie ein halber Elefant… Kennt die jemand? War auf englisch, soweit ich mich erinnere…
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Weitsicht: oh gott was fang ich jetzt mit dem Freien abend...
. Aber Gott sei Dank ist ja...
CachePac: Na was mach ich da heute nur? Am besten meine Frau...
Zwischenmahlzeit: Schade
Kathi: Also so ganz hatte ich den Sinn von dem QR-Aufkleb...
mic@: Fehlt in den Shownotes nicht der Link vom Online-Rou...
Quasselkasper: Auf Eure Frage, ob noch jemand das Geocaching...
mic@: Schön, mal wieder einen meiner Lieblings-Podca ster zu...
DocW: @aba: Tut es. Wenn der Titel abgespielt wird, dann...
aba: @docW. scrollt dein autoradio nicht bei langen titeln?...
rautAxe: Endlich komme ich dazu die Podcasts nach zuhören
...
black_hole: Dieser Podcast war wieder so gut, dass ich ihn...
Klaus: Potacken? Ich persönlich sage das nicht, aber hier in...
BestHafr: Heute wurde bei uns in der Gegend der Cache...
radioscout: Vielen Dank für den Solo-Podcast. Gute Besserung...
GeoArkon: Mal wieder eine Solonummer. Nicht so “lyri...
HaJoSoCha: Ah ja. GMC. Mein amerikanischer Nachbar (Mitte...
Wartezimmer: Hat mir gut gefallen. Da wird mir wieder...
Dr. Venkman: Toller Bericht… …und natürlich sind...
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TKKR: Dann hoffe ich mal, dass ihr gerade im Moment im ZdK...
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