Ein Dosenfisch auf Sardinien – Prolog
Ein Dosenfisch auf Sardinien – der komplette Reisebericht als pdf
Prolog
Ich bin kein Weltbürger. Ich bin Mecklenbürger. Dahinter steckt nicht heimlicher Regionalstolz oder ähnlich emotionaler Unfug – dahinter stecken schlicht meine Grundqualifikationen. Durchs Leben gebracht haben mich bisher: lesen, schreiben und reden. Und diese drei Grundqualifikationen sind nunmal fest im deutschen Sprachraum verankert. Und so wundert es den geneigten Leser sicher nicht, wenn ich bisher meine Urlaubsorte eher zwischen Tarnewitz und Bodensee suchte. Im Ausland, so glaubte ich bislang, sei ich als Mensch amputiert. Und ich hatte Recht. Doch dazu später.
Warum?
Dass nun ausgerechnet ich, das stoffelige Nordlicht, überhaupt ins quirlige Italien aufgebrochen bin, das ist dem sanften Druck der Liebsten geschuldet. Sie hatte mit einigen Sanktionen gedroht – Kompottentzug war die mildeste der Strafen, die mich ihrer Ankündigung nach ereilen würden, sollte ich es wagen, mich auch in diesem Jahr wieder hinter der Arbeit verschanzt vor dem Auslandsurlaub zu drücken.
Aber nicht nur ihr Zorn, auch das Wohlwollen der Liebsten brachte mich in Fahrt – im wörtlichen Sinne – denn sie gestand mir zu, die Reise auf vier Rädern und somit autonom zu gestalten. Die Liebste selbst indes hatte für den Rest unserer freundlichen Kleinfamilie Flüge gebucht. Das war im Winter.
Mit wem?
Bis in den Sommer hinein blieb dieser Status Quo erhalten. Eine kleine Änderung gab es noch – mein allerliebster Lieblingsmuggel Hannes hatte zugesagt, die Fahrt mit mir gemeinsam zu wagen und weil wir Männer sind und beste Freunde, Menschen also, die nicht immerzu reden müssen, um sich ihrer gegenseitigen Sympathie zu vergewissern, haben wir nach der grundsätzlichen Einigung nie wieder über das Thema gesprochen. Erst drei Wochen vor Abfahrt erreichte mich die Frage: “Fähre?”. Ich antwortete ebenso wortreich: “Ja.” Und weil blindes Verständnis die Grundlage einer ewig währenden Männerfreundschaft ist, buchte Hannes mal eben und gerade noch rechtzeitig die Überfahrt. Hin von Livorno in der Nähe von Pisa nach Olbia im Norden Sardiniens, zurück von Olbia nach Genua.
Rückblende
Hier sei mir ein kurzer Einschub erlaubt: Auch La Spezia liegt nicht allzuweit von Livorno entfernt. Und La Spezia ist eine der hassenswertesten Gemeinden der Welt. Warum? Erklär ich: Mit 18, in einem Alter also, indem jeder irgendwie auf der Suche ist, glaubte ich noch, ein reisefreudiger Mensch zu sein. Direkt nach dem Abiball also, Sommer 1992, stellte ich mich an die Straße, mit einem kleinen Rucksack, der zwei T-Shirts und einen Schlübber enthielt, einen Schlafsack, eine Salami, ein Brot und viel Tabak. Drei Tage später stand ich ohne Salami und Brot hinter La Spezia und Trampen wurde zur Geduldsprobe. Am Ende eines langen Wartetages in der Serpentinenhölle einer kleinen Landstraße umgeben von zersplitterten Scheinwerfergläsern und zerstörten Blinkerabdeckungen war ich fünf Kilometer weiter gekommen und die Welt erschien mir ausschließlich als Ansammlung unfreundlicher Verkehrsrowdys. Die Lieblingsgeste der Vorbeifahrenden war ein vom Lenkrad träge erhobener Zeigefinger, der hin und her geschwenkt wurde. Das ist also Italien, sagte ich mir und beschloss nimmer wiederzukommen. Daran jedenfalls fühlte ich mich erinnert, als La Spezia auf den Richtungsweisern dieser Tour auftauchte und wir – ohne es zu wollen, die Straßen ließen einfach nichts anderes zu – in diese hassenswerte Stadt gerieten und schließlich im Moloch ihrer Straßen gänzlich zu veröden drohten. Allein die stählerne Schutzschicht unseres dicken VW Passat bewahrte uns davor, gänzlich und für immer im La Spezianischen schwarzen Loch zu versinken, so wie es mir beinahe passiert wäre 18 Jahre zuvor.
Und sonst so?
Zurück zur Vorgeschichte: Koffer packen, Caches along the route ziehen, eine Pocket Query von Sardinien basteln und auf die Endgeräte schieben, das 60er aus Versehen von allen brauchbaren Karten befreien und dafür mit nutz- und schmucklosen OSM-Varianten bestücken und schon war ich bereit für eines der letzten großen Abenteuer unserer Zeit: das Reisen. Als erste Stationen hatte ich für Hannes und mich zwei pulsierende Metropolen erwählt: Heidelberg und Kornwestheim.
In der nächsten Folge wird zu lesen sein, wie Charme die Welt bezaubert und Berge einen Flachländer an den Rand des Wahnsinns treiben. Außerdem wird die Rede kommen auf das Internet und wie es ein sinnvolles Gespräch überhaupt erst möglich macht.

Schöne Schreibe…
Ich bin mal gespannt auf den Rest deines Reiseberichts…
Ach wie gemein, jetzt spannst du uns auf die Folter.
Hurra – ein Fortsetzungsroman. Die ganze Famile ist gespannt, wie’s weiter geht!
Sehr schön geschrieben. Das mit den Grundqualifikationen kann ich so unterschreiben
Toll ich habe schon lange auf den Reisebericht gewartet, bin ja mal gespannt, was uns da noch alles erwarten wird.
Gruß aus Stuttgart
So kurz vor unserer Korsika-Reise, die auf sehr ähnlicher Route verlaufen wird (Die Alpen nehme ich gern “sportlicher”. Unterhalb der 2000m-Marke überquere ich die Alten niemals! *g*) stimmt einen ein solcher Reisebericht wirklich toll ein.
Mein Job ist ein Anderer und ich werde leider so nicht schreiben können wie du. Reiseberichte und Tagebuch wird es auf meiner Webseite trotzdem geben.
“Eines der letzten großen Abenteuer unserer Zeit”? Schon, aber doch nicht mit eurem modernen Autowagen. Klimaanlage, Pferdestärken im dreistelligen Bereich und andere Annehmlichkeiten brauch doch eigentlich kein Mensch. Wir fahren, wie jedes Jahr, im Trabant.
Ich freue mich schon auf den ein oder anderen Dosenfischer-Podcast, den ich aus irgendeinem freien W-Lan ziehen werde.
Ciao Chris.
Mit dem Trabi? Wow… Da bin ich aber sehr auf den Bericht gespannt. Heldenhaft!
Aprospos… wo ist eigentlich mein Trabi geblieben…
Na und das mit den “Abenteuern” – das sollte schon eine ironische Note haben. Alles, was mit EC-Karte, Auto und Zivilisation abläuft ist wohl kaum als Abenteuer zu bezeichnen
[...] Arbeit verschanzt vor dem Auslandsurlaub zu drücken… (im pdf gehts weiter – oder online hier.) Tags: [...]
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Weitsicht: oh gott was fang ich jetzt mit dem Freien abend...
. Aber Gott sei Dank ist ja...
CachePac: Na was mach ich da heute nur? Am besten meine Frau...
Zwischenmahlzeit: Schade
Kathi: Also so ganz hatte ich den Sinn von dem QR-Aufkleb...
mic@: Fehlt in den Shownotes nicht der Link vom Online-Rou...
Quasselkasper: Auf Eure Frage, ob noch jemand das Geocaching...
mic@: Schön, mal wieder einen meiner Lieblings-Podca ster zu...
DocW: @aba: Tut es. Wenn der Titel abgespielt wird, dann...
aba: @docW. scrollt dein autoradio nicht bei langen titeln?...
rautAxe: Endlich komme ich dazu die Podcasts nach zuhören
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Klaus: Potacken? Ich persönlich sage das nicht, aber hier in...
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Wartezimmer: Hat mir gut gefallen. Da wird mir wieder...
Dr. Venkman: Toller Bericht… …und natürlich sind...
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TKKR: Dann hoffe ich mal, dass ihr gerade im Moment im ZdK...
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