Drei Geschichten vom Verlaufen und Zurückfinden: Teil 3 – USA
DocW hat uns kürzlich drei Geschichten vom Verlaufen und Zurückfinden zugeschickt. Wir haben ihn gebeten, sie hier veröffentlichen zu dürfen und er hat freundlicherweise zugestimmt. Heute kommt Teil 3 – Wyoming, USA.
Location: N 43° 21.21 W 108° 08.75; Datum: 21. März 2008, Boysen Reservoir, nächste Ortschaft Shoshoni, Wyoming.
Über Ostern 2008 war ich zum Skifahren in Utah zusammen mit meinem Bruder. Im Anschluss daran fuhren wir nach Wyoming, um dort die Ostertage zusammen mit seiner Familie bei seinen Schwiegereltern zu verbringen. Mein Bruder lebt in den USA und seine Frau stammt aus Wyoming.
Wyoming liegt im Nordwesten der Vereinigten Staaten und ist etwa so groß wie die alte BRD, aber aufgrund einer doch wesentlich dünneren Besiedelung – im ganzen Staat leben etwas mehr als 500.000 Menschen – ist es dort ein wenig abgelegener. Außerhalb der sehenswerten Touristenzentren wie Cody – gegründet von William Cody gennant Buffalo Bill – und dem Yellowstone Nationalpark ist es ein weites, leeres Land: Großartig!
Meine Schwippschwiegereltern leben in einem Tal, das der Wind River durch einen kleineren, vielleicht 10 bis 15km breiten, flachen Bergzug gegraben hat. Durch das Tal führt ein US-Highway und eine Güterzugstrecke. Der Fluss ist die Grenze zum Wind River Reservat, welches sich die Stämme der Shoshonen und der Arapahoe teilen. Betreten des Reservats ist nicht erlaubt, aber die Indianer betreiben einen klasse Radiosender.
Am Eingang zum Tal ist der Fluss zum Boysen Reservoir aufgestaut; hier wird elektrische Energie erzeugt.
Am südlichen Ufer des langgestreckten Sees liegt die nächste Ortschaft, Shoshoni, im Norden auf der anderen Seite des Bergzuges liegt Thermopolis, die nächstgrößere “Stadt” (ca 3500 Einwohner).
Am Karfreitag borgte ich mir von meinem Schwippschwiegervater seinen alten, rappeligen Ford F150 Pickup, weil ich die etwas abgelegeneren Caches anfahren wollte und dafür war der Mietwagen denkbar ungeeignet.
So bin ich einfach nur dem Pfeil auf dem GPS auf so etwas ähnlichem wie Wegen hinterhergefahren.
Dummerweise endete die Spur nach einer Weile direkt am Seeufer. Also Rückwärtsgang rein und zurück.
Ging aber nicht, denn die Hinterräder gruben sich ein. Kein Problem dachte ich, ist ja ein Allrad, einfach Vorderräder zuschalten und weiter gehts!
Also habe ich den Vorgelegehebel umgeschaltet. Kupplung kommen lassen: Aber nichts. Also nochmal am Hebel rumgerissen und nochmal probiert aber das Ergebnis blieb das gleiche: Keinerlei Verbindung zwischen Motor und Rädern.
Noch 10 Minuten habe ich herumgemurkst und dann hatte ich die Gewissheit; hier stimmt irgendwas nicht. Das Auto fährt erstmal nicht ohne fremde Hilfe.
Nun ging es auf Sonnenuntergang zu, die Temperaturen lagen knapp um den Gefrierpunkt und es waren so 2 bis 3 Meilen zurück bis zum Highway, 12 Meilen bis zu dem Haus, wo die Verwandschaft wohnte, mindestens 20 Meilen in beide Richtungen zur nächsten Ortschaft. Natürlich gab es keinen Empfang fürs Handtelefon. Also, dachte ich, mach dich besser auf die Socken, das wird ein weiter Weg. Wegpunkt gesetzt, damit wir das Auto später wiederfinden und los.
Als ich endlich die Straße erreicht hatte, lief ich am Straßenrand Richtung Norden und hoffte, dass mich jemand mitnehmen würde. Ab und an kam auch ein Auto vorbei, aber es hat natürlich keiner angehalten.
So einsam an der Straße im Wechsel von Gehen und Laufen kommt man schon ins Grübeln. Ich schätzte meine Chancen – schließlich waren es so ca. 20km bis zum Haus. Das ist fast Halbmarathonstrecke, eigentlich für mich kein Problem, aber in Wanderstiefeln und Skijacke rechnete ich schon mit 2 bis 3 Stunden.
Außerdem wurde es immer dunkler und ich hatte keine Taschenlampe dabei. Ich wusste, dass da noch zwei Straßentunnel weiter die Straße runter kamen und ich machte mir schon Sorgen, dort unbeschadet, ohne vom Auto erwischt zu werden, durchzukommen. Und zu allem Überfluss fing an zu schneien…
Froh war ich nur darüber, dass ich die Tour recht gut ausgerüstet angegangen bin, mit ordentlichem Schuhwerk und Bekleidung, Mütze, Handschuhen. So grübelte ich vor mich hin auf meinem Weg.
Dann kam plötzlich ein Polizeifahrzeug vorbei, wendete auf mich zu und hielt an! Der Officer stieg aus und fragte mich aus der Entfernung, was ich denn hier machen würde. Ich antwortete, dass ich eine Panne hätte, Auto defekt, steht irgendwo am See. Wo ich hin wolle? 8 miles down the road. Da bemerkte er, dass ich offensichtlich nicht von hier war und fragte nach meiner Herkunft. Germany antwortete ich. Worauf er sichtlich erstaunt ein “Wie kommt denn ein Deutscher in diese gottverlassene Gegend!” erwiderte. Ich erklärte ihm die Zusammenhänge und er fragte mich, ob er mich nachhause fahren könnten, und natürlich ob ich bewaffnet wäre. Nichts lieber als das und selbstverständlich nicht!
Natürlich gab er meine Personalien in den Fahndungscomputer ein (zumindest den Reisepass hatte ich dabei, den trage ich im Ausland immer bei mir), aber ich durfte schon mal im Fond des Polizeiwagens Platz nehmen. Der war zu einer mobilen Zelle umgebaut, das heißt, ich saß in einem Gitterkäfig. Sehr bizarr! Ein Foto habe ich mir aber verkniffen, fand ich nicht passend.
Und so fuhr mich der Sheriff der Gemeinde Shoshoni zum Haus meiner Schwippschwiegereltern und ich war extrem froh und erleichtert, dort wieder einzutreffen.
Die Vermutung lag nahe, dass der Officer nicht zufällig dort vorbeigekommen war, sondern von einem der vorbeifahrenden Autos informiert wurde. Die Leute sind zwar hilfsbereit, würden aber nie wegen eines Fremden anhalten, weil sie viel zu viel Angst vorm umherlaufenden Massenmörder haben. Also informieren sie die Polizei bei nächster Gelegenheit. Völlig ok, dafür ist die Polizei ja da, “Serve and Protect”
Am nächsten Tag haben wir dann die Karre wieder flott gemacht. Irgendein Splint am Getriebehebel war gebrochen. Mit einer Zange das Vorgelege in 4H gesetzt und schon konnte die Kiste aus eigener Kraft wieder fahren. Kleine Ursache, große Wirkung.
Und der eigentliche Cache? Da führte eine geteerte Straße weiter südlich hin, den habe ich dann Ostersonntag ohne Probleme angesteuert, völlig unspektakulär….





Heute war die letzte Geschichte dran. Insgesamt sind alle sehr schön geschrieben und auch sehr interessant.
Danke fürs veröffentlichen
Vielen Dank für den interessanten Erlebnisbericht.
Viele Grüße von Yalla
Wirklich sehr schöne Geschichten, da braucht jemand wirklich dringend einen eines Blog!
Mehr davon!
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GeoArkon: hmmmm….. Dan muss ich mir was einfallen...
Weitsicht: oh gott was fang ich jetzt mit dem Freien abend...
CachePac: Na was mach ich da heute nur? Am besten meine Frau...
ValDoc: Hier noch ein kleiner Nachtrag zur Mate :...
Kathi: Also so ganz hatte ich den Sinn von dem QR-Aufkleb...
mic@: Fehlt in den Shownotes nicht der Link vom Online-Rou...
mic@: Schön, mal wieder einen meiner Lieblings-Podca ster zu...
DocW: @aba: Tut es. Wenn der Titel abgespielt wird, dann...
aba: @docW. scrollt dein autoradio nicht bei langen titeln?...
rautAxe: Endlich komme ich dazu die Podcasts nach zuhören
...
black_hole: Dieser Podcast war wieder so gut, dass ich ihn...
Klaus: Potacken? Ich persönlich sage das nicht, aber hier in...
BestHafr: Heute wurde bei uns in der Gegend der Cache...
radioscout: Vielen Dank für den Solo-Podcast. Gute Besserung...
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