Drei Geschichten vom Verlaufen und Zurückfinden: Teil 2 – Polen
DocW hat uns kürzlich drei Geschichten vom Verlaufen und Zurückfinden zugeschickt. Wir haben ihn gebeten, sie hier veröffentlichen zu dürfen und er hat freundlicherweise zugestimmt. Heute kommt Teil 2 – Polen.
Location: N 50° 03.33 E 019° 53.53 Datum: 27. Juni, 2006, Krakau, Polen
Diesmal war ich auf Abschiedstour von der alten Firma: Übergabe von Aufgaben und Projekten. Den Abend verbrachte ich auf einer Gartenparty bei einem Kollegen und guten Freund.
Ich hatte zwar ein GPS mit ein paar Caches dabei, rechnete aber nicht wirklich damit, eine Gelegenheit zum Cachen zu bekommen. Diesmal hatte ich meinen Garmin Forerunner 305 dabei, dessen Eigenheiten u.a. die fehlende Möglichkeit Detailkarten zu laden, eine gewisse Rolle im weiteren Verlauf der Geschichte spielten.
An diesem Abend war es ziemlich warm und schwül, das erlösende Gewitter brach erst später über uns herein; die Luft war dementsprechend unerträglich. Aber als ich auf dem GPS sah, dass da dieser eine Cache nur etwas mehr als 300m Luftlinie entfernt war, kannte ich kein Halten mehr.
Also bin ich los, habe natürlich alles vermeintlich Unnötige zurückgelassen. Ohne Telefon, ohne Ahnung, wo ich eigentlich bin und natürlich ohne Polnischkenntnisse war ich unterwegs.
Leider war das mit den 300m Luftlinie so eine Sache, denn bis ich aus dem Wohngebiet raus war, musste ich einiges an Umwegen in Kauf nehmen, doch irgendwann, irgendwann fand ich einen schmalen Pfad zwischen zwei Grundstücken, der in den Wald führte. Im Wald traf ich auf ein verwirrendes Durcheinander an kleinen Pfaden, die alle mehr oder minder auf einen Berg führten. Ich schenkte dem Weg wenig Beachtung, egal schnell zum Cache!
Es ging immer bergan und oben auf dem Berg befand sich eine Burg mit einer breiten Zufahrt. man hätte locker mit dem Auto hochfahren können. Die Dose war dann schnell gefunden und ich wollte zurück. Aber wo kam ich her? Wo muß ich hin? Der Forerunner zeichnet dummerweise einen Track nur auf, wenn die Stoppuhr läuft und natürlich hatte ich diese nicht gestartet. Also: GPS keine Hilfe. Alle Wege sahen irgendwie gleich aus, ich wußte nicht, woher ich gekommen war.
Also jemanden fragen: hmmm, erstens war da keine Menschenseele, denn bei dem Wetter geht keiner mit Verstand freiwillig spazieren. Und selbst wenn ich jemanden getroffen hätte, selbst wenn wir eine gemeinsame Sprache gefunden hätten, was hätte ich sagen sollen? Ich kannte ja nicht einmal eine Adresse! Zu allem Überfluss brach so langsam die Dunkelheit herein, was die Sucherei nicht gerade einfacher machte. Schon ein wenig in Panik rannte ich durch den Wald die vielen kleinen Wege ab, in der Hoffnung, dass mir irgendwas bekannt vorkam.
Endlich, endlich nach einiger Sucherei fand ich dann doch den Durchgang zwischen den Grundstücken wieder und konnte erleichtert und durchgeschwitzt zu der Gartenparty zurückkehren.
Achja, der Kollege ist auch zum Geocacher geworden. (Hallo Werner!)


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