Drei Geschichten vom Verlaufen und Zurückfinden: Teil 1 – Spanien
DocW hat uns kürzlich drei Geschichten vom Verlaufen und Zurückfinden zugeschickt. Wir haben ihn gebeten, sie hier veröffentlichen zu dürfen und er hat freundlicherweise zugestimmt. Heute kommt Teil 1 – Spanien.
Location: N 41° 00.94 W 003° 44.250, Datum 13. September, 2005, nachmittags. Land: Spanien, ca 1h nördlich von Madrid
Seit ein paar Jahren reise ich 1-2 mal im Jahr nach Spanien, um einen Kunden ca. 250km nördlich von Madrid zu besuchen. Der direkteste und schnellste Weg führt über die N1 – die Autovia Del Norte – durch eine sehr abwechslungsreiche Landschaft, wenn man das Ballungsgebiet Madrids ersteinmal hinter sich gelassen hat.
Etwa nach einer Stunde Fahrt überquert man einen Gebirgszug, die Sierra de Guadarrama. Dieser Gebirgszug, dessen höchste Erhebungen bis zu 2300m reichen, ist durch mehr oder minder dichte Kiefern- und Eichenwälder sowie niederes Buschwerk gekenzeichnet. Es ist eine sehr karge, einsame und schöne Landschaft, die in deutlichem Kontrast zu den Landschaften in unseren Breiten steht.
Meine Reiseplanung erlaubt es durchaus auf Hin- oder Rückweg den ein oder anderen Abstecher auf kleinere Straßen abseits der Autobahn zu nehmen, um dann auf mehr oder weniger langen Wandertouren die Landschaft cachend zu erkunden. Natürlich habe ich geeignete Bekleidung und Schuhwerk im Gepäck.
Üblicherweise suche ich zuhause schon eine Reihe von Caches heraus und packe sie mir in eine Bookmarkliste. Da die Spanier bei Cachebeschreibungen und Logs fast ausschliesslich ihre Muttersprache verwenden, so verstehe ich nur spanisch nämlich nichts. Ich habe in der Regel überhaupt keine Ahnung, was mich erwartet; aber ich lasse es darauf ankommen, vor Ort die Machbarkeit des Caches für mich einzuschätzen. Das ist eine sehr willkommene Herausforderung und Teil des Abenteuers, einfach nur dem Pfeil zu folgen, ohne zu wissen, was einen erwartet.
In diesem Fall – ein Tradi mit gerade eben T=2,5 – habe ich mich vom Magellan (mit Europastraßenkarte) einfach so dicht heranrouten lassen wie es nur eben ging.
Die letzten Kilometer führten von einem kleinen Dorf über einen staubigen Feldweg hoch in die Berge.
An einer Schranke und einem Schild, welches offensichtlich die Weiterfahrt nur für Wald und Forstverkehr erlaubte, stellte ich das Auto ab, setzte einen Wegpunkt und bin zu Fuss weiter. Von dort aus waren es 2,5km wie die Krähe fliegt.
Der Weg führte in Serpentinen durch den Wald den Berg hinauf . Natürlich fing ich irgendwann an querwaldein abzukürzen und einfach dem Pfeil direkt zu folgen. Nach einem etwa einstündigen, sehr schweißtreibenden Marsch quer durchs Unterholz des immer lichter werdenden Kieferwaldes kam ich an den Cachekoordinaten an und konnte die Dose auch schnell lokalisieren.. Das war auch gut so, denn eigentlich hatte ich nicht so viel Zeit für den Cache eingeplant; musste mich daher sputen, um zeitig wieder auf die Straße in Richtung Madrid zu kommen. Schließlich wollte ich den Abend wieder zuhause im eigenen Bett liegen.
Also machte ich mich zügig auf den Rückweg, teils laufend und natürlich teils querfeldein. Und dann passierte es: der Magellan verlor plötzlich seinen Empfang: Gerade einen Satellit zeigte er noch an und ich hatte die Orientierung verloren, weil ich zu viel querfeldein gelaufen war.
Ich fand zwar einen Forstweg , wusste aber nicht, ob es der richtige war und ob ich mich auf der richtigen Höhenlinie befand oder womöglich schon zu weit abgestiegen war.
Eigentlich hätte ich nun dem Maggi 15 Minuten freie Sicht auf den Himmel gewähren sollen, damit er seinen Almanach neu aufbauen konnte, aber ich hatte eigentlich die Zeit nicht und der Wald auch wieder so dicht, daß ich keinen freien Blick nach oben hatte. Mittlerweile sah ich vor meinem geistigen Auge den Flieger schon ohne mich abheben! Ja, ein wenig Panik fährt man da schon.
Endlich nach einer Dreiviertelstunde Herumirrens hatte sich das Ding beruhigt und ich hatte wieder eine Koordinate! Und das Auto war nur einen halben Kilometer entfernt. So konnte ich ziemlich erleichtert doch den Flughafen pünktlich erreichen und mich auf dem Rückflug erholen.
Übrigens, der (unvollständige) Track zeigte nachher eine zu Fuß zurückgelegte Gesamtwegstrecke von 10km…




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