Klettercachen, Betrachtungen eines Anfängers

3. März 20097 KommentareEiner von 17 Beiträgen von SöNeTjAn

TjarkHabe ich einen Muskelkater. Oberarme, Schultergürtel, Hintern, Oberschenkel, alles tut weh! Es begann im letzten Sommer. Schwerin bekam seinen ersten Klettercache. Für uns unerreichbar, da wir weder eine Kletterausrüstung noch eine Ahnung hatten, wie diese zu gebrauchen wäre. Dann halfen uns Geocacher aus Braunschweig und Wolfsburg, die auch noch erfahrene Instrukteure fürs Rettungsklettern beim THW sind, auf diesen Baum.


Das hatte Spaß gemacht. Davon wollte ich noch mehr. Also beschloss ich, mir eine Kletterausrüstung zu kaufen. In den Kommentaren gab es dann auch einige Ausrüstungsempfehlungen. So gut das auch gemeint war, ich konnte damit überhaupt nichts anfangen. Ich brauchte jemanden, der mich an die Hand nimmt und mit mir einkaufen geht. Zufällig erfuhr ich irgendwann, dass eine Kollegin bei unserer Berliner Mutterfirma zwar (noch) nicht cacht, aber klettert. So richtig am Felsen, nicht nur die künstlichen, sondern im Urlaub auch die echten. Als ich das nächste Mal in Berlin zu tun hatte, gingen wir gemeinsam einkaufen, Gurt, Seil, Karabiner, Abseilacht, Reepschnur, Bandschlinge.

Ich musste ihr versprechen, dass ich mir zeigen lasse, wie man richtig klettert. Ich hatte wirklich vor, das Versprechen zu erfüllen. Aber irgendwie wurde doch nichts daraus. Also musste das Internet herhalten. Da erfuhr ich dann etwas über Knoten, wie den doppelten Bulin, Karabiner – Klemmknoten, doppelter Spierenstich und das Abseilen mit dem Abseilachter. Das ganze wurde dann im Treppenhaus geübt, um dann an Schwerins einzigen Kletterbaum „Danke Schwerin“ (GC1DEPY) zum Einsatz zu kommen.

Es sprach sich in Schwerin schnell herum, dass wir eine Kletterausrüstung hatten. So ging es so manches Mal zu „Danke Schwerin“. Da das so viel Spaß macht, sind wir auch immer mit hoch. Keine Ahnung, wie oft wir nun schon auf diesem Baum waren. Jetzt wurde es aber allerhöchste Zeit, auch andere Bäume zu erklettern.
EisskulpturenVor zwei Wochen sollte sich dazu nun die Gelegenheit ergeben. Auf dem Erdbeerhof bei Rövershagen besuchten wir die „6. Eiszeit“, die Ausstellung der Eisskulpturen. Im Anschluss ging es mit Kind und Kegel zusammen mit Team An-225 zum „Ostseebaum 3“ (GC1CV37).

Hier sollte es sich rächen, dass ich mein Versprechen nicht eingehalten hatte. Ich hatte zwar eine Ausrüstung und konnte die wichtigsten Knoten, hatte aber keine Ahnung, wie man richtig damit umgeht. Bei der ersten „Klettereinweisung“ letzten Sommer kam eine vollkommen andere Ausrüstung zum Einsatz. Die dortige Methode ließ sich auf meine Ausrüstung nicht anwenden. Die Art, mit der ich meine Ausrüstung handhabte, erlaubte mit Kraft und Ausdauer noch den Aufstieg am „Danke Schwerin“, aber nicht beim Ostseebaum 3. Der spielte in einer anderen Liga. So trat das Unvermeidliche ein, mit zitternden Armen und schweißgebadet musste ich völlig erschöpft abbrechen. Da hieß es noch mal Hausaufgaben machen. Ach, wie gern wäre ich auf ein Kletterevent gegangen und hätte mir es richtig zeigen lassen. Bis zum nächsten wollte ich jedoch nicht warten. Die Niederlage stachelte meinen Ehrgeiz an. Das Internet musste wieder her halten. Ich fand interessante Dinge, verschiedene brauchbare Beschreibungen in Foren und einige Videos wie dieses hier.
Das „Gelernte“ wurde wieder erst im Treppenhaus und dann am „Danke Schwerin“ ausprobiert. Und es funktioniert! Richtig gut sogar! Überhaupt kein Vergleich zu den vorherigen Kraftaktionen! Bei der Gelegenheit wurde die Ausrüstung noch um Helm und weitere Karabiner und Bandschlingen erweitert.
Herr Rehwald hat sich gerade eine Kletterausrüstung zugelegt. Damit er sie gleich einweihen kann, und bei einem Sicherheitscheck sehen vier bzw. sechs Augen mehr als zwei, haben wir ihn zu diesem Cache mit eingeladen. Gemeinsam werden wir den Baum schon bezwingen. Dass wir sein Seil auch noch brauchen werden, ahnten wir da noch nicht. Der Cache hängt etwa 1,5-mal so hoch wie bei „Danke Schwerin“, auch ist der Weg durch die Äste etwas schwieriger.

Der Aufstieg ging mit der „neuen“ Methode sehr gut. Leider hing das Seil gut einen Meter unterhalb des Caches. Aufgrund der Äste hätte man sehr einfach wie früher als Kind weiterklettern können. Gesichert ist man ja durch das Seil. In der Höhe war mir aber nicht danach. Also kamen die Pilotleine (Maurerschnur) und der Wurfsack (mit Sand gefüllte Socke), die am Gurt mit nach oben transportiert wurden zum Einsatz. Eine neue Herausforderung! Nach dem dritten Wurf hing das zweite Seil in Cachehöhe. Das sollte reichen. Jetzt hieß es, Vertrauen in die Knotenfähigkeiten von An-225 und Rehwald haben und sich ins weiße Seil einhängen. Es war reine Kopfsache! Technisch vollkommen problemlos, zweite Sicherung ins weiße Seil einbinden, Sicherung aus dem blauen Seil ausbauen, fertig. Mulmig war mir schon, aber das Seil hielt.

Der letzte Meter war dann nur noch Formsache. Ich konnte es mir in einem Ast gemütlich machen und loggen. Nur die Schrift war etwas krakelig. War wohl doch etwas anstrengend. Zum Abschluss habe ich das freie blaue Seil, damit es An-225 und Rehwald leichter haben, noch einen Ast höher, also etwa 30 bis 50 cm oberhalb des Caches befestigt.
Das Umbauen zum Abseilen konnte ich auf meinen Ast auch ganz problemlos erledigen. Das Abseilen ist doch am schönsten, hat aber auch etwas von einem guten Essen, das man stundenlang zubereitet, um es dann in wenigen Minuten zu verspeisen.
Nachdem die Erwachsene genug geklettert waren, durfte Tjark auch. Wenn er das Umbauen vom Prusiklift zur Abseilacht beherrschen würde, hätte man ihn bis oben klettern lassen können. Es sah bei ihm viel eleganter und müheloser aus als bei uns Erwachsenen. Kurz bevor er unsere Reichweite verließ, musste er sich wieder abseilen, was er auch perfekt meisterte. Zuhause hat er es dann im Treppenhaus ganz stolz Anja gezeigt, die leider nicht mitkommen konnte.

Das hat Spaß gemacht, auch wenn mir jetzt fast alles vor Muskelkater weh tut.

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7 Kommentare »

  • FORN sagt:

    Ja, klettern macht Spaß. Ich gehe seit Dezember regelmäßig in eine Kletterhalle und hoffe, dass ich es bald mal draußen versuchen darf. Es gibt da so einen Cache in Bonn, für den man Vorstieg können muss. Das wird aber wohl noch etwas dauern.

  • Markus sagt:

    Ich gestehe, ich bin bisher noch nicht geklettert, obwohl es auch hier im Ruhrgebiet entsprechende Caches gibt. Z.B. den “Wigwam” (GC1FW46), eine Pyramide aud Baumstämmen im Revierpark Vonderort. Oder “Zweieinhalb Meter über Nass” (GC1J2Q8) in der Kirchheller Heide. Die Dose hängt unter einer Brücke über einem See, Da muss man sich dann mal nach unten abseilen.d

    Letzteren habe ich aber im Rudel währende des Frostes im Januar direkt vom Eis aus geloggt ;)

  • tenrapid sagt:

    Im Treppenhaus? Fotos! Fotos!

    Auf jeden Fall danke für den schönen Bericht. Ich bin auch schon öfter zum Klettern animiert worden, konnte mich bisher aber immer noch erfolgreich wehren. Aber vielleicht ist es ja doch nicht so schlimm…

  • SöNeTjAn (Autor) sagt:

    @tenrapid: Treppenhausfotos gibt es (noch) nicht ;-)

    Einfach anfangen! Es macht Spaß und ist, wenn man sich nicht so blöd anstellt wie wir, auch nicht (so) schwer. Allerdings kann ich nur raten, sich vorher wirklich schlau zu machen oder noch besser, es sich zeigen lassen. Bei uns hatte es nur die Auswirkung, dass wir schwer hoch kamen. Problematisch wird es, wenn man zu schnell herunter kommt.

  • @Yoyohund sagt:

    Lust auf Klettercaches?! http://tinyurl.com/cl4jdt

  • elchestor sagt:

    Oh man. Warte auch nur noch darauf das mein Knie wieder voll einsatzfähig ist und ich dann mal wieder kraxeln kann.

  • SirVival sagt:

    Hallo,

    ich bin begeisterter T5-Cacher.
    Ich ermögliche auch Anfängern Klettercaches zu machen, indem ich mit Rat, Tat und Ausrüstung zur Seite stehe. Dennoch liegt es mir auf der Seele, auch in diesem Forum nochmal auf eine sehr wichtige Sache aufmerksam zu machen:
    Klettercaches bei denen Ihr Ausrüstung benötigt, solltet Ihr nicht alleine angehen, solange Euch nicht ein erfahrener Kletterer gesagt hat, dass Ihr das auch alleine könnt. Ansonsten besteht akute Lebensgefahr!
    Geht häufig mit erfahrenen Leuten mit, sammelt Erfahrung! Nur so minimiert Ihr eine potenzielle Gefahr.

    Viele Grüße,
    Flo

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