Geowelten: Mit- oder gegeneinander?

17. Februar 200922 KommentareEiner von 576 Beiträgen von sandmann

Vorwort
Wir sind allesamt seltsame Vögel. Das mit dem Geocaching, das ist ja schon merkwürdig genug… aber dann auch noch die Sache mit den virtuellen Existenzen, denen als Forenschreiber und -betreiber, Kommentator, Blogger, Podcaster, Fotograf (das -in bitte bei Bedarf selbstständig an die Wörter denken). Überall in den Weiten des Netzes hinterlassen wir unsere Spuren und das sind eben manchmal zarte Spitzenschuhlöcherchen und manchmal dicke, aufdringliche Tapsen. Wie im echtenleben poltern wir mal, mal reden wir um den Brei, mal sind wir sachlich-nüchtern und manchmal schrecklich gehässig. Wir haben zwar alle unsere ganz eigenen Gründe, warum wir mehr als nur Logs ins Internet schreiben, aber wir alle machen das nicht, um Geld zu verdienen und für uns alle ist also Aufmerksamkeit ein Teil der Motivation. Ginge es nicht wenigstens ein bisschen um Aufmerksamkeit, könnten wir ja in ein Textdokument auf unserem Desktop schreiben. Ein anderer Grund ist sicher der Wunsch nach Austausch und Kommunikation. Das mal so als Grundlage und Vorwort für so ein paar Gedanken, die ich gerne loswerden würde.

Einleitung
Ich hab ja mal ein paar Semester in Philosophieseminaren rumgesessen und ein wunderbares Seminar hatte Hobbes “Leviathan” zum Thema. Da erklärt der englische Philosoph Hobbes unsere Gesellschaft in etwa so: Früher, da gab es einen Naturzustand. Da haben wir uns alle auf die Omme gehauen und wer stärker war, der hat gewonnen und besaß fortan Macht, Frauen und lecker zu essen. Doch nichts war von Dauer, denn jeder hat ja jedem auf die Omme gehauen und auch, wer einmal erfolgreich war, konnte sich nicht auf Macht, Frauen und lecker essen ausruhen, denn hinter der nächsten Ecke wartete schon eine Räuberbande, um ihn gepflegt zu entleiben und seine Macht, seine Frauen und sein leckeres essen für sich zu nutzen… Kurz – es gab auf Dauer keine Sieger.

Abhilfe brachten die Verträge. Weil die Leute keinen Bock auf ewige Angst und ewige Prügeleien hatten, haben sie einfach Verträge miteinander geschlossen, die zum Beispiel regelten, dass man nett zueinander ist und sich nicht gegenseitig auf die Omme haut. Wer die Verträge verletzt, auch das stand in diesen Verträgen drin, wird umgehauen, aus der Gemeinschaft ausgeschlossen oder wenigstens für ein paar Jahre eingesperrt. Verträge, sagt Hobbes, sind das große Ding, sind der Kitt, der Gesellschaft zusammenhält.

Als wir nun im Seminar Hobbes Argumentation auseinander nahmen, da fiel uns auf, dass hinter seinen Ideen ja ein ganz seltsames Menschenbild steht: Der Mensch bei Hobbes denkt ausschließlich auf kurzfristigen Erfolg hin. Kurzfristig gesehen ist es nämlich sinnvoll, den Nachbarn umzuboxen und seine Kuh zu essen. Langfristig gesehen führt diese Strategie aber dazu, dass alle mit allen im Kriege sind und nix gebacken kriegen. Langfristig gedacht wäre es wesentlich cleverer, zusammen zu arbeiten. Dann gibts nämlich irgendwann mal Bücher, Nachtclubs, Museen und sogar die Raumfahrt. Und Wohlstand für alle und niemand muss mehr hauen. DAS hatte Hobbes nicht bedacht. Nein, nicht bedenken wollen, denn er war ja Kind seiner Zeit und wollte ja so argumentieren, aber das zu erklären führte hier zu weit.

Hobbes und die Geocaching- und -Podcasts
Kurzfristig gesehen mag es günstig sein, nicht auf das Blog zu verlinken, aus dem man gerade eine Mörderstory entlehnt hat. Mal so rein theoretisch… als Beispiel.

Kurzfristig gesehen mag es günstig sein, anderen Blogs vorzuwerfen, dass sie machen, was sie machen und wie oder dass sie zu sehr Mainstream, oder zu wenig Mainstream sind oder einfach nur doof. Mal so rein theoretisch… als Beispiel.

Kurzfristig gesehen mag es günstig sein, das eigenes Blog in jedem Forenthread, in jeder Cachebeschreibung, in jedem Gespräch und in jedem Kommentar mindestens dreimal zu nennen und immer darauf hinzuweisen, dass man dies oder jenes Thema dort schon längst umfassend behandelt hat. Mal so rein theoretisch… als Beispiel.

Es mag kurzfristig Aufsehen erregen, wenn Leute aufeinander losgehen.

Die Botschaft
Langfristig allerdings, langfristig, das ist meine These, da haben wir alle mehr von unserem Tun, wenn wir miteinander arbeiten. Und die Leser und Hörer – die erst recht.

Die Leser und Hörer interessiert es nämlich einen Scheiß, wer wem nicht grün ist und wer gerade schmollt, welche Zickereien bei welchen Kommentaren den Subtext bestimmen und warum es immer wieder so Andeutungen gibt. Die wollen unterhalten und informiert werden.

Und wenn wir das leisten, dann kriegen wir alle auch die Aufmerksamkeit, die wir gerne hätten.

Taaattaaa! Die Leitsätze
Vielleicht lassen sich daraus sogar ein paar ungeordnete Leitsätze dengeln, die für uns hier irgendwie gelten, ohne dass wir das mal so formuliert hätten.

1.) Wenn wir irgendwo anders schöne Geschichten lesen, verweisen wir dorthin.

2.) Wir nennen unsere Quellen.

3.) Wenn wir Inhalte über das Zitatmaß hinaus übernehmen möchten, fragen wir um Erlaubnis.

4.) Wir konzipieren Blogsammelstellen wie Blogsalongtheroute so, dass der interessierte Leser nicht festgehalten, sondern zu den einzelnen Blogs weitergeleitet wird. Deshalb gibts da auch keinen Volltext. Ruhm, Ehre und Leser für den, der die Arbeit hatte.

5.) Wir verlinken nicht direkt auf Bilder oder MP3-Dateien, die in anderen Blogs veröffentlicht sind, sondern immer auf den Beitrag dazu.

6.) Wir haben viele Links zu anderen Blogs auf unserer Seite und grübeln immer mal wieder über neue Formen nach, die unsere Leser zum Stöbern in anderen Publikationen auffordern.

7.) Wir unterstützen, was uns unterstützenswert erscheint. Mit allen Mitteln und Aktionen, die uns dafür angemessen erscheinen.

8.) Wir versuchen bei allen Konflikten die Diskussionskultur nicht gänzlich den Bach runter gehen zu lassen.

9.) Wir schreiben nicht für die Aggregratoren. Wenn wir ein Thema im Blog haben wollen, weil wir der Meinung sind, dass es hier sein sollte, dann machen wirs. Und wenn wir nach einer Woche Nichtstun vier Beiträge auf einmal raushauen, dann soll das wohl so sein.

10.) Wir machen Fehler. Wir übersehen Sachen oder vergessen sie schlicht. Es kann immer mal passieren, dass wir einen der genannten Grundsätze missachten – das aber ist dann kein böser Wille, sondern menschlich.

Publizistisch um die Wette
Dennoch gibt es für uns Dosenfischer so etwas wie einen publizistischen Wettstreit. Denn natürlich freuen wir uns, wenn wir mal ein Thema als erste setzen konnten. Natürlich freuen wir uns, wenn wir zu einem Thema eine richtig gute Geschichte hingekriegt haben, die viel Aufsehen erregt. Hey, das gehört doch zum Publizieren dazu. Wir wollen doch unseren Job gut machen, sonst machts doch keinen Spaß. Und wenn andere schneller und besser waren, dann gehen wir vielleicht ganz kurz zum Ärgern auf Klo, aber nur um dann einen lobenden Kommentar zu schreiben. Oder in einem Beitrag auf das Werk zu verlinken. (Danke Stefan, dass Du es genauso machst.)

Schluss
Und nun noch der obligatorisch-moralische Schlusssatz: Im Grünen Forum hab ich neulich gelesen, dass Blogs in Sachen Geocaching das große Ding sind und Foren eben nicht mehr so. Nun müssen wir nur aufpassen, das wir Blogger und Kommentatoren nicht mit den alten Unsitten der Forenkultur die schöne neue Welt kaputtposten.

*Das klingt jetzt alles extrem gutmenschlich – ist mir auch nicht ganz geheuer, denn ich mag ja eigentlich schwarzen Humor lieber als bemüht weiße Westen, aber in diesem Fall musste ich dringend mal über meinen Schatten hüpfen. (Lieber Alex – eine Steilvorlage nur für Dich… Hau drauf!) ;-)

Nachtrag: helixrider hat das Thema Quellennennung ebenfalls unlängst aufgegriffen.

Struwwelchen hat sich ebenfalls um das Thema gekümmert.

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22 Kommentare »

  • cyberberry (Stefan) sagt:

    Sehr schöner Artikel, aber: Äh? Was?
    Was hab ich gemacht?
    Ehrlich, ich hab alles gelesen, aber für was wird sich bei mir bedankt?

  • Ruhrcacher sagt:

    So viel Text am frühen morgen kann ich zusammenfassen mit:
    http://de.wikipedia.org/wiki/Blogosph%C3%A4re
    Und die finde ich eine gute Sache…

  • Lilly (cyberberry) sagt:

    Was aus so einem kleinen Kommentar des Herrn D-Buddi resultiert… Erstaunlich.

  • Wölfi sagt:

    Ja – eigentlich Selbstverständlichkeiten, wie sie auch für WEB-Seiten angestrebt werden und im kultivierten Umgang in der Real-Welt gelten. Leider gibt es “in allen Bereichen der gesellschaftlichen Lebens” Aussenseiter, Aussteiger oder einfach nur Leute mit IQ gegen Null gehend, die sich nicht an Normen halten wollen oder können. Auch damit wird man existieren müssen. Nur eines kann die Situation vielleicht etwas verbessern: Beachtung bringt Verstärkung – Nichtbeachtung bringt Abschwächung.
    Danke Sandmann!

  • rehwald sagt:

    Die Regeln habt ihr ja aber jetzt doch ausformuliert (beißt sich die Katze da nicht selbst…?)

    zum “Schluss”: Blogs sind die neuen Foren? Finde ich eigentlich weniger. Blogs und Foren ergänzen sich. Sie ergänzen sich sogar sehr gut. In Foren werden Themen ausdiskutiert, technische Feinheiten ausgetauscht und Lösungsansätze in gemeinsamer Arbeit entwickelt. Blogs saugen sich die Ergebnisse dieser Arbeit und publizieren dies in zusammengefasster Form. Es muss sich ja nicht jeder jedes mal durch 108 Seiten mit allen Beiträgen mit all den Zwistigkeiten und Verballhornungen wühlen um sich das Thema selbst zu erarbeiten. auf der anderen Seite werden in Blogs Themen angestoßen, die dann wieder zu Problemstellungen führen, die in den Foren diskutiert werden. Ein geben und nehmen eben.

    zu “Publizistisch um die Wette”: nicht der, der als erster ein Thema anschneidet ist vorne dabei, denn er wird im Reader oder in den Aggregatoren nach hinten durchgereicht und wird vom Publikum daher auch erst als letzter gelesen. Dies ist auch ein Grund dafür, dass verlinkende Quellenangaben und Zitate wichtig sind, sonst würde irgendwann irgendwer nichts neues mehr anschneiden wollen. Die ganzen großen in der “Szene” werden allerdings gerne genannt, man will ja zeigen, wen man so ließt und sich bei der Gelegenheit auch gleich mit fremden Federn schmücken. Aber auch die ganzen vielen Kleinen haben es verdient mit Respekt behandelt zu werden. Sicher geht mal eine Beitragsquelle unter oder man vergisst sie einzubinden, doch leider scheint es in letzter Zeit in Mode zu kommen, diese kleinen Links komplett wegzulassen. Dabei sind diese kleinen (via xxx) die Quintessenz des Bloggens (sicher, man kann die Links auch direkt und aussagekräftiger im Text unterbringen…).

    Noch etwas allgemeines: Blogbeiträge sind subjektive Meinungen. Es sind keine großen Redaktionen die hinter den Artikeln stehen, sondern in der Regel Einzelpersonen mit ihren persönlichen Vorlieben und Meinungen. Diese können sich auch wandeln und zu ganz anderen Ausdrucksformen mutieren. Es bleibt also meist kein kontinuierlicher Strom an Informationen. Das ist nun einmal so und das ist auch gut so. Ich kenne keinen Redaktionell betreuten Blog, der wirklich über die reine Informationsübermittlung hinausgeht. Sie sind ersetzbar. Austauschbar. Doch Blogs mit unregelmäßiger Beitragsfolge, kruden, wechselnden Meinungen, denen es egal ist, wie sie aussehen und nicht jede Veränderung hinter den eigenen Kulissen als Aufhänger für einen Beitrag nutzen (wen interessiert, dass ich erfolgreich von WordPress 2.7 auf 2.71 gewechselt habe?) und viel Liebe gemacht sind, sind genau die Blogs die man gerne liest. Und gerade bei diesen Blogs ist es wichtig, sie respektvoll zu behandeln. Sie sind das Salz in der Suppe.

    Nur meine kleine, unwichtige Meinung hierzu.

  • D-Buddi sagt:

    naja, ich hatte meinen kleinen Kommentar ja aus Sicht des Hörers geschrieben und bin sehr froh über den in meinen Augen hervorragenden Sandmann-Artikel. Das mit den Foren -> Blogs sehe ich gerade bei einem der wenigen negativen Kommentare von mir, der Kritik der Audio-Qualität des Hoecker-Podcasts… Dort fand sich jetzt der Erste der mich als Mäkelfritzen bezeichnete, eigentlich harmlos aber eben doch für mich ein persönlicher Angriff. Normalerweise hätte ich das noch ignoriert, aber wehret den Anfängen denn genau das ist für mich das “Forum-Niveau” das ich in den Blogs bisher wahrlich nie vermisst habe. Auch der weitere Text dort beweist das er sich inhaltlich gar nicht sonderlich mit diesem Blog und Podcast beschäftigt denn er schreibt das die nicht perfekte Qualität diese Podcast ausmachen würde?!?! Bisher hatte ich immer eher den Eindruck gerade hier hervorragende Audio-Qualität zu haben… Das hat schon so das Niveau das mich nach und nach aus dem grünen Forum getrieben hat, wo es nicht mehr um eine Sache geht sondern persönlich wird.

    Was ich damit sagen will?! Ich befürchte schon das die Trolle von den Foren in die Blogs wandern… Und dies wird mit Sicherheit noch mehr werden wenn die Blogs und Podcasts sich untereinander nicht einig sind, so eine Art Dünger für Trolle. Auch bei uns Hörern/Lesern merke ich da manchmal schon Verunsicherung. Damit meine ich nicht die Kommentierer sondern die schweigende Masse die halt mal bei Treffen, Mumble oder sonstwo über die Blogosphäre spricht. So fragt man sich natürlich warum es z.B. nach BlogsAlongTheRoute auch noch den Newsaggregator gibt, warum es nach einem funktionierenden Mumble-Server plötzlich noch einen Zweiten gibt, warum manche Themen gleich auf 30 Blogs gleichzeitig behandelt werden, warum die Podcaster sich im Moment alle gegenseitig interviewen… Natürlich kann man das alles hübsch begründen, gar keine Frage, es geht alles. Man muß doch aber auch mal die Frage stellen ob ich alles hübsch begründe und irgendwann kein Hörer mehr da ist oder ob man sich nicht mal mit dem Thema auseinander setzt was ja jetzt scheinbar angefangen hat.

    Natürlich sind die Blogs das Salz in der Suppe und vor allem auch deren Vielfalt, da muß ich Rehwald absolut zustimmen!!! Das Problem ist nur das ich z.B. die ganze Geschichte über den Google RSS-Feed lese und ich mittlerweile tatsächlich viele Blogs wieder ababonniert habe da bei manchen Neuigkeiten einfach unendlich viele Posts kommen und es sich eigentlich immer um das gleiche Thema handelt und das ist als Leser nur bedingt spannend. 3-4 mal würde ich sogar noch gut finden, wenn es denn verschiedene Sichtweisen wären, aber dann ist auch so eine Art Sättigung erreicht. Das ist für mich z.B. ein großes Plus bei den Cyberberrys, dort werden durchaus auch Artikel geschrieben die Bezug auf den Aufmacher eines anderen Blogs nehmen und dann nur noch die eigene Sichtweise dazu schildern, für mich als Leser schlichtweg perfekt. Doch obwohl es so einfach ist machen das lange nicht alle so, schade…

    Den “Sandmann-Artikel” fand ich da einen hervorragenden Ansatz, die Frage ist nun was “die Anderen” draus machen?!

    shit, eigentlich wollte ich das Kommentieren langsam sein lassen, aber irgendwie brannte es mir dann doch noch mal auf den Nägeln, zumal mir der Sandmann da ein Stück weit aus der Seele geschrieben hat…

  • Gecko-1 sagt:

    Was ich leider immer mehr mitkriege ist das auch in Kommentaren, Foren und in Podcasts zwischen den Zeilen andere Leute “kritisiert” werden. Nur man selber macht ja alles richtig. Das Konkurrenzdenken nimmt leider immer mehr zu und das “wer hat es erfunden” wird immer mehr hinterfragt. Ich muss sagen das ich auf den ganzen privaten Internetseiten über Geocaching noch nichts wirklich Neues gesehen habe was ich nicht schon auf anderen Webseiten gefunden habe.
    Es stimmt schon das viele Seiten sich weiterentwickeln und Gutes von anderen übernommen wird, aber was spricht dagegen. Ich sehe all diese Dinge als Service an die Leser. Quellenangaben oder Link darauf halte ich für wichtig. Das mit dem “wer ist der Schnellste” versteh ich auch nicht ganz. Irgendwie haben wir ja fast alle die gleichen Quellen. (Google, Blogs und Foren) Nur regionale Themen oder selber Erarbeitetes sind Themen die sich abheben.

  • Die Hosen runter! sagt:

    [...] weil es für mich eine Selbstverständlichkeit darstellt (in freundlicher Anlehnung an den letzten Beitrag der Dosenfischer), hier wieder der Link auf die entsprechende Spiegel-Online [...]

  • P!X3L sagt:

    blogs sind wie geocachen – am anfang unbekannt, wenig gelesen, kaum kommentiert. langsam werden es mehr, eine stammleserschaft bildet sich, kommentare flattern in die beiträge, persönliches feedback setzt ein.

    aber wie so oft in unserer gesellschaft – in der heutigen gesellschafft, nicht damals, wo es noch einfach eins auf die omme gab – werden gute ideen aufgenommen, manche versuchen eigenen vorteil daraus zu schlagen, zu kopieren, mehr oder weniger geschickt. aber auch neue ideen werden geboren, dinge werden weiterentwickelt und das nennt sich dann neuerung, vortschritt, evolution…

    alles entwickelt sich weiter und das ist auch gut so. sonst hätten wir immer noch nichts dazu gelernt und es gäbe immer noch auf die omme. andererseits verändern sich dinge nicht immer in unserer sicht positiv. so wächst die geocachende gemeinde immer weiter, es gibt mehr und mehr caches. nicht immer bessere, schönere, aber einfach ist ja nicht gleich schlecht, oder?! dennoch denke ich, dass die grundtendenz schon noch positiv ist. aber selbst das komplexeste thema hat irgendwann irgendwo eine grenze. irgendwann ist alles gesagt. alles bis ins kleinste analysiert. gebloggt und gepocdastet, getwittert und gemumbeled und was weiß ich noch alles… und dann? sommerloch?! stagnation?! gehen wir womöglich wieder raus und suchen nach irgendwelchen dosen?!

    nichtsdesto trotz war und ist es nur eine frage der zeit, bis trolle, elfen und anderes fabelgetier sich in den foren satt gepostet hat und die kommentare für sich entdeckt. kommentare kann man abstellen. dann gibt es kein feedback. kein mitteinander. keine zweite meinung! aber ist es nicht grade diese zweite meinung, die uns interessiert?! warum sonst lesen wir mehr als ein blog?! gibt es mehr als eine tageszeitung?! mehr als einen fernsehsender?! (fernsehen, ihr wisst schon, diese große schwarze kiste im wohnzimmer, mit den vertrockeneten blumen auf dem häckeldeckcehn und der dicken grauen staubschicht, in der ich letzte woche das usb kabel für mein garmin verlohren habe…)

    nur stellt grade das eine scheinbar ungeahnte forderung an das eigene ego! plötzlich steht man vor einem problem vom ungeahntem ausmass! es gibt tasächlich noch eine zweite meinung! eine zweite meinung neben meiner eigenen! eine zweite meinung neben meiner eigenen, die ganz anders ist…!!! und jetzt?!? scheinbar gibt es leute, die schon damit ein problem haben – nahezu unvorstellbar in einer gesellschaft, die regeln und gesetzte aufgestellt hat und nur existieren kann, solange diese eingehalten werden… sind regeln und gesetzte nicht auch irgendwie ‘zweite meinungen’?!

    *NDR-BUZZER* man, leute. jeder so, wie es ihm gefällt! ich finde auch nicht jeden podcast toll, so what. wenn er mir inhaltlich nicht gefällt, dann höre ich ihn nicht. (völliger quatsch, ich höre ihn doch, weil ich ja doch was verpassen könnte aber dann sag ich es halt nicht.) und wenn jemand etwas sagt, was mir nicht gefällt, dann halte ich entweder meine klappe oder sage, dass ich eine eigene meinung habe (_hier_link_auf_diesen_kommentar_einfügen_). es gibt blogs, die lese ich nicht, weil sie mir inhaltlich nicht so gefallen und es gibt podcasts, die ich nicht mag. dafür gibt es auch welche, die ich sehr gut finde, die aber leider nur in größeren abständen und unregelmäßig erscheinen. und auch hier kommentiere ich mal mehr, mal weniger. ändern kann ich es doch auch nicht – will ich auch garnicht, warum. vielleicht gefällt es ja jemand anderem. ich muss ja nicht zu jeder zielgruppe gehören! ;-)

    genauso gibt es ja auch caches, die mir gefallen haben und andere, die mir weniger gefallen haben… auch da nehme ich mir die ‘freiheit’ zu schreiben, wie es war. scheinbar ist auch das nicht selbstverständlich, wenn man sich mal die reaktionen einige owner ansieht – ich werde es aber trotzdem nicht ändern, weil es meine meinung ist und ich der ansicht bin, dass sie auch in das log gehört. dennoch muss so eine meinung ja nicht beleidigend, verletzend oder persönlich sein – jedenfalls habe ich noch in keinem kommetar/log diese intention gehabt.

    aber auch hier läßt sich wieder der bogen zu hobbes und der interpretation des geschreibsel eines anderen schlagen. dank manigfaltiger möglichkeiten, die uns die deutsche sprache bietet und den leider teilweise recht unbekannten aber dennoch verwendeten stilmitteln kann man sich manchmal nur wundern, was dabei herauskommt, wenn man dem geneigten leser einen beitrag, einen podcast oder gar einen kommentar vor die füße wirft und dieser daraus nun schlau werden soll…

    in diesem sinne, beste grüße aus hamburg, der lars – P!X3L

  • annonymous sagt:

    *grübel* wenn ich nur wüsste, wie ich jetzt hier gelandet bin….?

    Der Abstecher zu deinen/euren Philosophieseminar finde ich interessant!
    Unsere heutige Gesellschaft scheint wieder in Richtung Urinstinkt abzudriften!
    Gehen wir erstmal ins “große”:
    (Banken)Manager stecken sich die Taschen voller Geld und lassen den Staat für die Schulden bezahlen. Wie sagte Noam Chomsky doch…?

    Dann die Medien (Fernsehen):
    die “Unterhaltungssendungen” der Privaten (big brother, die nachmittäglichen talkshows etc.pp.) befriedigen immer mehr genau die Urinstinkte, die du/ihr durch eure Lei(d)tsätze (übrigens für mich eines der Begriffe neben “Nachhaltigkeit”, die ich einfach nicht mag, da sie für sich genommen i.O. sind, aber im thematischen Zusammenhang meist nur Übelkeit erregen) genau ausschliessen wollt.

    letztendlich dann das geocaching:
    man haut sich hier auch gegenseitig auf die Fresse, denn nur seine eigene Meinung ist die richtige!
    Aber auch Regeln (Leitsätze), die ein problemloses Miteinander gewährleisten sollen, werden wissentlich missachtet, sogar noch unterstützt von der “Obrigkeit” dem Reviewer. Natürlich sind diese selten selbst dazu in der Lage “nach dem Rechten zu gucken”.
    Sobald man aber ein SBA loggt, wird man vom owner übelst beschimpft und versucht ins Lächerliche zu ziehen. Der Sinn der hinter dem Handeln steckt wird ignoriert!
    Das Ignorieren dieser Regeln nenne sich Anarchie bzw. Annomie!

    Blog(s) finde ich grundsätzlich interessant. blogverlinkung auch! Aber wenn man einen Artikel liest und dann einen “nichtssagenden” Link vorfindet, der lediglich den/das andere/n blog aufzeigt, bei dem man sich ersteinmal orientieren muss, um die gewünschte Information zu finden, geht es an meinem Verständnis und meiner Geduld vorbei.
    Vielleicht bin ich auch einfach zu dumm, zu flusig und zu ungeduldig?

    in diesem Sinne: tolles Statement, ich kann mich voll damit identifizieren und hoffe, nun durch meinen Kommentar etwas Beachtung zu bekommen ;)

    annonymous
    (falls die Dosenfischer meinen Namen und geocaching-Nick benötigen sollten, können sie mich gern anmailen)

  • D-Buddi sagt:

    @P!X3L: du wolltest doch hier nur den Längsten (Kommentar) haben ;-)

  • -jha- sagt:

    Und ich hätte nach den langen Einleitung tatsächlich vermutet, dass es um das Hickhack in Rhein/Main um Nano-Serien, Powertrails und Tanus-Memory ginge.

  • ksmichel sagt:

    Sicherlich hat man als Blogger nur dann einen größeren Zulauf, wenn es darin um mehr geht als die eigene Befindlichkeit darzustellen und sich selbst zu feiern. Daher gibt es wohl auch nur wenige Blogs, die den ersten Geburtstag erleben ;-)

    Gute Blogs sollten unterhalten und informieren, aber auch Raum für Echos und Rückkopplung geben. Als Leser will ich mich darin aber nicht knietief durch tausendfach Zitiertes und anderswo Gelesenes waten. Daher bin ich ebenfalls für ein bisschen Selbstbeschränkung, wenn man mal nichts zu melden hat. Vielleicht auch einfach mal daran denken, dass Zeit ein kostbares Gut ist und es rücksichtslos ist, die Freizeit anderer zu verschwenden.

    Zum Thema Netiquette: Ich musste jetzt schon öfters Kommentare löschen, die sich kaum auf den Text bezogen und lediglich einen Link auf das eigene Blog enthielten. Aber sonst mag ich meine Kommentierer :-)

  • struwwelchen sagt:

    Da ich hier die lange Liste der Kommentare nicht noch mehr verlängern will, habe ich meine Meinung zu dieser ganzen Diskussion in meinem eigenen Blog (mit Trackback hierher) kundgetan.

    Deshalb hier nur die Quintessenz: Für mich sind andere Blogs und Podcasts keine Konkurrenz, sondern eine Bereicherung! Auch wenn sie mit einem Thema oder einer Idee schneller waren als ich.

  • DunkleAura sagt:

    guten abend, ehrlich gesagt ist mir das da oben viel zu viel text…
    könnte das bitte irgend jemand für mich auf ein paar sätze kurz zusammenfassen?
    danke.

  • alex schweigert sagt:

    Hallo DunkleAura,

    Vorwort
    “Wir sind auch nur Menschen.”

    Einleitung
    “Nicht hauen; Man kann auch drüber reden.”

    Hobbes und die Geocaching-Blogs und -Podcasts
    “Blah blah”

    Die Botschaft
    “habt euch lieb.”

    Taaattaaa! Die Leitsätze
    “Hey, wir sind total nett.”

    Publizistisch um die Wette
    “Wir freuen uns, wenn ihr uns auch nett findet.”

    Schluss
    “Seid bitte lieb zueinander. Bloss keine Zähne zeigen!”

    ungefähr so :-)

  • sandmann (Autor) sagt:

    Also Erwartungen erfüllen – das kannste ;-)

  • spamade sagt:

    Hallo @sandmann!

    Sorry, ich hab mich eben selbst ertappt das ich
    einfach ein Foto von Euch ins grüneForum stellte…
    Zwar mit Link (etwas weiter oben) dazu aber naja…
    TSCHULDIGUNG!!! Kann es leider nicht mehr bearbeiten.
    Ich war halt zu euphorisch Euch alle mal auf einem
    Foto zu sehen. Ich verspreche Besserung! Werde mich
    artig an Deinen sehr mühevoll gestalteten Beitrag
    halten! Versprochen! Und danke für den Hinweis!

    Stephan Alias spamade

    PS: Ich hoffe das es mehr Werbung für Euch als Schaden ist…

  • 5_pomms sagt:

    Ein sehr schöner beitrag!

    Nachdem ich mir nun, politisch korrekt, das -in selbstständig an die Wörter gedacht habe ;-) , möchte ich anmerken, dass ich ebenfalls hoffe, dass der forenton nicht auf die blogs durchschlagen möge.

  • Blogosphäre sagt:

    [...] mit der Gesamtheit der Blogs und ihrer Verbindungen. Damit greifen wir einen Aspekt auf, den der Sandmann von den Dosenfischern unlängst grad thematisiert hat. Auf dem roten Sofa im Hauptstadtstudio sitzen dazu [Martin] und [...]

  • jmsanta sagt:

    2.) Wir nennen unsere Quellen.
    Ja, aber sicher. Ich gerate immer wieder ins Hyperventilieren, wenn das unterlassen wird!

    3.) Wenn wir Inhalte über das Zitatmaß hinaus übernehmen möchten, fragen wir um Erlaubnis.
    seufz – schön wärs, oft nicht mal als Zitat gekennzeichnet.

    Alles was du schreibst sollten meiner Überzeugung nach Selbstverständlichkeiten sein. Das Unterlassen der Nennung von Quellen ruft immer Plagiatverdacht hervor. Fremdes wird als eigene Leistung ausgegeben und ist daher ganz doll bäh, bäh.

  • Black_hole sagt:

    ein ergänzender ethymologischer Kommentar: Vertrag kommt von “sich vertragen”. Wenn man sich diesen Leitsatz vor Augen hält, geht es besser miteinander, als wenn das Ziel die Fragestellung “Wie kann ich meinem Kontrahenten am meisten schädigen und dabei mit geringstem Aufwand den größten Nutzen rausholen” wäre.

    Ich frage mich: Warum gibt es virtuelle Persönlickeiten? Seinen real_name hat man nur einmal und wenn der Ruf einmal ruiniert ist, ist es schwierig, sein Image wieder zu verbessern. Ich glaube, es ist die “Game over – insert coin – neue Runde – neues Glück”-Philosophie unserer schnelllebigen Zeit. Was stört mich der Tot, ich habe ja noch zwei Leben. Ich denke jetzt nicht an Reinkarnation sondern an unsere GameBoy-Generation.
    Wenn man sich ab und zu mal seiner guten Kinderstube erinnert, falls man denn eine hatte, kann man respektvoll und aufrichtig miteinander umgehen. Kritisiert werden will niemand, Lobeshymnen werden gern gehört. Schade finde ich es, wenn erwachsene Leute sich wegen Kinderkrames auf die Omme hauen, das tut nicht Not. Wie entsteht Sympathie oder Antipathie?
    Uuuups, bischen lang für ein Kommentar.

    kurz: Ich höre/lese euch gern. Macht weiter so.

    PS: Erst der Tausch Gameboy gegen Garmin, hat unsere blassen Kids wieder aus der Kinderzimmerecke zurück in die Natur gebracht. Dank an alle Cacheowner, die dieses schöne Hobby ermöglichen.

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