Quantensprung

3. Dezember 200812 KommentareEiner von 59 Beiträgen von ivalo

Irgendwie kam es von einem Tag auf den anderen. Plötzlich, ganz plötzlich: peng! und mein neues Cacherleben fing an. Als diplomierter Physiker darf ich mit Fug und Recht behaupten, dass eine Entwicklung, die zunächst kontinuierlich verläuft und irgendwann sprunghaft wird, einen Quantensprung durchläuft.
Dass der Übergang von Cachertyp 1 zu Cachertyp 2 mit einem runden Geburtstag zusammenfiel, ist nur bedingt Zufall, hat eher mit der Begleiterscheinung zu tun, dass technische Geräte manchmal eben an Geburtstagen auftauchen und die einhergehende Verhaltensänderung im neuen Lebensjahr zur Folge haben.

Cachen damals

Cachen damals



Mein initiierdes Gerät heißt Map60. Aber fangen wir noch einen Schritt eher an.
August 2007, einige Schweriner machten sich für ein paar Tage auf in die Feldberger Seenlandschaft, südöstliches Mecklenburg. Herr sandmann hatte gerade ein neues Hobby entdeckt und Technik dabei. Auf einer Wanderung lag da auf einmal ein Tradi in einem Hasenloch, ganz unspektakulär. Einen Tag später pflügten wir schon eine alte NVA-Raketenabschussbasis um. Infiziert. Eine Woche später war ich stolzer Besitzer eines quietschgelben Geckos. Das war meine Einstiegsdroge. Ich fand drei bis vier Caches im Monat, bereitete mich immer akribisch vor und bedruckte viel Papier. Was ich nicht auf Zettel dabei hatte, gab es nicht. Koordinaten wurden mit zwei Knöpfen eingetippt. Hier und da durfte ich dann mal ein Map60 ausprobieren, sogar ein Colorado, lernte was Topokarten tolles können und was Pocketqueries sind. GSAK war eine griechische Polizeitruppe für mich und ich war noch überzeugter Minimaltechnikbenutzer.
Bis dann, ja, dann, die Frage aufkam, was ich mir denn zum Geburtstag wünsche. Zu einem runden Geburtstag. Tja, was Praktisches, also etwas was ich wirklich brauche? Oder was wirklich Geiles? Cachertechnik zum Beispiel! Map60! Cachertechnik, jaaaaah, Map60!

Cachen heute

Cachen heute

Zwei Tage vor meinem Geburtstag schaffte ich meinen 199. Fund und die 200 sollte an meinem Geburtstag höchstselbst mit dem neuen Zaubergerät geholt werden. Klappte nicht. Soziale Verpflichtungen. So wie damals Weihnachten, als man mit dem schicken neuen Spielzeug noch nicht spielen durfte, weil ja die Großeltern noch zum Weihnachtenfeiern da waren. Es klappte erst einen Tag drauf, der 200. Fund. Am 384. Tag meiner Geocacher-Karriere.
Der 200. Fund (wem erzähle ich das?) ist ja der Eintritt in das Erwachsenenalter der Groundspeak-Jünger, der Initiationsritus, die Aufnahme in die Hall-of-Fame, na-gut, aber immerhin in die Weltrangliste, auch wenn es nur Platz 40.000 ist.
Mit dem Map60 kam die Topo, kam GSAK, kam die Pocketquery. Mit dem Map 60 kam der HTML-Export aufs Handy, kam eine Spur von paperless bliss. Kam die Möglichkeit auf Dienstfahrten plötzlich 30 Tradis in Abendspazierabstand vom Hotel zu haben, statt wie bisher nur drei Ausdrucke.
Die nächsten 100 Funde dauerten 50 Tage, die nächsten 100 nur noch 47. Sogar mein Cacher-Handicap habe ich seither mehr als halbiert. Ich gehe durch fremde Städte, durch dunkle Straßen, ich greife zielsicher zu.

Ja, es hat mich erwischt, aber was soll’s! Ich habe nämlich seit meinem Geburtstag 4 Kilo abgenommen! Abends auf Dienstfahrt halt noch mal raus und nicht direkt vom Bordbistro in die Pizzeria, das zahlt sich aus. Das muss auch meine Frau anerkennen. Das Jahresabo in der Muckibude wäre teurer gewesen. Na gut, 5 Jahresabos. So lange muss das Map60 also halten. Außer ich bin vor Ort mit den Schlemmercachern unterwegs, da legt man eher zu! Der Kuchen da und die Spätzle, das war aber auch alles verdammt lecker.
Aber auch daheim: sonntags noch mal aufs Fahrrad geschwungen, wo sonst schon die Couch lockte und die nächsten mal eben mit dem Rad zu machenden Caches sind jetzt schon über 10 Kilometer von meinen Zuhauskoordinaten entfernt. Ich hoffe, dass es noch eine Weile hält und meine Frau ihr Geschenk für mich noch nicht bereut hat.

12 Kommentare »

  • Martin sagt:

    Ein schöner Beitrag, das kommt mir irgendwie bekannt vor – auch unser 60er wurde um den 200sten herum angeschafft. Aaaaaaaaber als Physiker diese Überschrift? Bei jedem anderen hätte ich die Klappe gehalten, aber der Physiker sollte wissen, daß ein Quantensprung eigentlich der kleinstmöglichste Schritt ist, den es gibt. SCNR ;-)
    viele Grüße

  • ivalo (Autor) sagt:

    Ja, ich bin aber auch (Hobby-) Literat und mag bildliche Sprache ;-)

  • Pegasus37 sagt:

    Da stehen mir mit noch unter 200 Founds ja noch große Ereignisse ins Haus…
    Schön, daß du den restlichen Dosenfischern die Bibliothek wenigstens im Bild zeigst. Vielleicht trauen sie sich ja jetzt.

  • Schulze&Schultze sagt:

    Das hat der Herr ivalo aber sehr schön auf den Punkt gebracht. In irgendeiner Weise kann sich hier wohl jeder Cacher wiederentdecken.
    Wir haben Papier schon früh durch einen Palm ersetzt. Auf diesem befindet sich immer eine ausreichende Anzahl von Cache-Beschreibungen. Die hatten wir zunächst mit dem Cache-Scanner erstellt, aber letztendlich führt beim Paperless-Cachen kein Weg an GSAK vorbei. Unser Etrex Camo leistete uns dafür 2,5 Jahre und gut 800 Funde hervorragende Dienste, bis wir uns zu einem 60er durchringen konnten. Mit dem sind wir allerdings seither restlos zufrieden. :-)
    Für Deine schlanke Linie jedoch haben wir schlechte Nachrichten. Falls Du vor Weihnachten noch mal den “Wilden Süden” mit Deinem Aufenthalt erfreuen solltest, locken Weihnachtsmarkt und Lokalitäten, die auch für einen Vegetarierer keine Wünsche offen lassen sollten. In aufopfernder Weise testen wir uns gerade durch die diversen Speisekarten – das ist allerdings die schlechte Nachricht für unsere Figur. :-)

    Hoffentlich auf bald in Stuttgart!

    Sei herzlichst gegrüßt von den Schlemmercachern

  • aba sagt:

    lieber pegasus,
    natuerlich trauen wir uns. wo sich der sandmann doch heute sogar zu den woelfen traut. aber die zeit, die liebe zeit. ist halt nicht so einfach. und dann muss man das problem ja noch mal zwei nehmen. sind ja zwei leute die da hin wollen. zusammen. weil das raetsel ja auch quasi zusammen geloest wurde.
    ich nehme mir uns jetzt einfach mal vor, die bibliothek noch in diesem jahr zu besuchen ;)

  • prof.Bolz sagt:

    Ohh ja, da erkenne ich mich auch wieder…
    Hauptsächlich, was das GPS angeht…irgendwann musste dann einfach ein besseres Gerät her, kamen die Pocket Queries und kam die Topo.
    Auch wenn ich anfangs immer der festen Überzeugung war, dass soviel Technik ja nur was für die Technikbesessenen sein muss :-D .
    Nur das Ausdrucken der Cachebeschreibung kann ich nicht sein lassen, da ich mir (noch) kein “Paperless Cachen” leisten kann (bin halt noch nicht wie der Herr Ivalo fertig mit dem Studium der Physik, sondern stehe erst ganz am Anfang, und die armen Studenten und die Studiengebühren etc. bla bla bla… ;-) )

    Grüße aus Hannover
    prof.Bolz

  • Winni sagt:

    köstlich, köstlich…ist es eigentlich verwerflich wenn ich mittlerweile euer geblogge besser finde als den podcast? Nein? Na dann bin ich ja beruhigt.

    Ach und zum thema…es gibt noch stalinistische geocaching vertreter die immer noch mit dem ollen gelben etrex rumwackeln und nix, aber auch gaanix vermissen! Als zusatz, zum paperless caching, nehm ich meist meinen ipod mit…den hab ich auch sonst schon immer dabei gehabt. Und – spoiler pics are for the weak! ;-)

    tagesbefehl: weitermachen

  • Flower Cacher sagt:

    Das gute alte Geko… haben wir auch noch als Back-Up-Gerät in der Schublade liegen, falls das Vista HCx mal schlapp macht. Manchmal wünscht man sich schon wieder die gute alte Geko-Zeit zurück. Das war noch Geocaching pur. Als ein 1/1er im Wald noch zur Herausforderung wurde, da mal wieder das Signal auf Grund der Blätter weg war oder eine Genauigkeit von 27 Metern angezeigt wurde. Da hatten wir noch richtig was zu suchen… nicht wie heute… 4 Meter Genauigkeit auch im Dschungel – angepeilt und schon gefunden.

  • ivalo sagt:

    Vielen Dank für die schönen Kommentare ;-)

    @ Pegasus: die Bibliothek ist auch die dickste Kiste, die ich bisher geborgen habe.

    @ Schulze & Schultze: sieht sehr gut aus, Cachen und Schlemmen im Schwabenkessel, Teil II nächste Woche, den Weihnachtsmarkt rauf und runter, …
    dann stönt der sandmann wieder, wenn ich unterwegs war und 20 neue Funde habe. Ach ne, es war ihm ja egal. Egal.

    Mein Gecko hat es in den Süden geschafft und wohnt derzeit in Karlsruhe. Es sollte meinen Cousin, der bei einem gemeinsamen Cacheausflug dort sehr begeistert war, auch zu diesem schönen Hobby bringen. Ich befürchte allerdings, es hat noch nicht ganz gefruchtet, …

  • Obihörnchen sagt:

    Eine schöne Geschichte zum Wiedererkennen.
    Gestern Abend habe auch ich beschlossen: Zu Weihnachten wird neue Technik angeschafft.
    Zu meiner kleinen Blauzahn-Maus mit MDA gesellt sich nun noch ein schickes 76Csx. Paperless Caching, dass ich so von Beginn an betreiben konnte und auch weiterhin nicht missen möchte bleibt auf meinen Wegen durch Wald und Flur somit weiterhin erhalten.
    Damit erfüllt sich hoffentlich auch endlich bei mir das Paradoxon anstelle der Luftlinie durch den Wald die ToPo-Wege Kreuz und quer zu nutzen und dennoch schneller voran zu kommen.
    Durch die Folge, dass ich somit ein Wetterfestes Gerät habe, dass mir ausserdem eine lange Akkulaufzeit bietet, kann ich mir vorstellen, dass die Länge und Häufigkeit meiner Touren “Quantensprungartig” ;) zunimmt.
    Da Zecken wie wir gelernt haben ja nur in Kundenmeetings auftreten, bleibt ja saisonal nur die Chance mir damit noch ein paar Triefnasen zu fangen.

  • rautaxe sagt:

    Bis September hatte ich noch mit dem XDA orbit und Cachewolf gecached.
    Das Problem war, das man beim Chip nicht die Static Navigation
    ausschalten kann.

    Kurz vor meinem Geburtstag im September fuhr dann ein
    Kollege nach USA und da konnte ich nicht wiederstehen:
    “Du Schatz ich hab doch Geburtstag und ein Kollege …”

    Jetzt bin ich stolzer Besitzer eines Triton 500
    für schlappe 160€.
    Es gefiel mir einfach vom Design besser als
    das 60er/76er. Und Bugs, nach 2 Jahren Windoofsmartphones
    schreckt mich nichts mehr so schnell ab.

    Dann hab ich Cachewolf noch so angepasst, dass er mir
    ein GPX macht, welches auch Bilder enthält und
    Logs. Dazu noch die aktuelle OSM Map, und fertig.

    Und was soll ich sagen, von 2006 bis September 2008
    hatte ich 90 Funde, jetzt stehe ich bei knapp 160 :)

  • Ein halbes Kilo Cache bei GSAK | DOSENFISCHER sagt:

    [...] 400. Log war mir Anlass, über meinen plötzlich auftretenden Wandel an Motivation und Ausrüstung zu berichten, die 500 will ich mal nutzen um einen Blick auf die beliebte Statistik zu [...]

Schreib` einen Kommentar.

Kommentiere hier oder in Deinem Blog per Trackback. Du kannst die Kommentare auch als RSS-Feed abonnieren. Es kann passieren, dass ein Kommentar vor der Veröffentlichung von uns freigeschaltet werden muss. Sollten wir dazu zu lange brauchen, hilft eine kleine Mail an podcast bei dosenfischer d e

Be nice. Keep it clean. Stay on topic. No spam. ;)

Du kannst verwenden:
<a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <strike> <strong>

Dosenfischer nutzt Gravatare.