Gastbeitrag Nr. 7 – Cachen am Heilbronner Weg

17. September 20083 KommentareEiner von 576 Beiträgen von sandmann

von Jan Kretschmer alias .:broadcaster:.

Gastbeitrag für die Dosenfischer? Nun denn, da berichte ich doch gerne vom Cache-Ausflug letzte Woche und nehme Euch mit in den südlichsten Süden Deutschlands nach Oberstdorf, um von dort aus den Heilbronner Weg – ein hochalpiner Wanderweg in den Allgäuer Alpen – zu begehen.

Allererste Maßnahme zur Vorbereitung der Tour ist die Überprüfung, ob etwa ein kleines Döslein am Wegesrand liegt. Gar nicht so einfach, da mir der genaue Wegverlauf nicht bekannt ist! Auf Verdacht vermerke ich die Koordinaten von nicht weniger als sieben Caches, Terrainwertung zwischen 1,5 und 5 – gerade das obere Ende der Skala reizt mich besonders ;)

Dienstagmittag erreiche ich mit vier Muggels unseren südlich von Oberstdorf gelegenen Startpunkt, das Wetter ist allerfeinst. Knall auf Fall marschieren wir los – zugegeben, bis zur Spielmannsau haben wir ein Taxi bemüht. Bis sich mein GPSr orientiert hat, liegt die Spielmannsau (sprich Spielmanns-au ;) ) schon hinter uns. Aber – ich habe Glück, der erste Cache liegt weniger Meter voraus. Nur einer der Mitwanderer kennt Geocaching aus Erzählungen, auch die anderen sind interessiert, als ich mein gelbes eTrex einschalte. Da ich auf das Verständnis der Gruppe angewiesen bin, erkläre ich kurz mein Hobby, “Tupperdosen-Schatzsuche mit Hilfe des GPS”. Beim ersten Cache liegt eine bewirtschaftete Alm nur einen Steinwurf entfernt – meine Mitwanderer kehren für eine letzte Stärkung schon mal ein und ich finde zum Glück ratzfatz den PETling “Fernwanderweg E5 – 01 – Los geht’s”. Nomen est omen :)

Der schweißtreibende Aufstieg führt durch ein enges Tal entlang schwindender Vegetation und obskuren Altschneefeldern zur Kemptner Hütte. Dort herrscht Hochbetrieb, den gleichnamigen Cache allerdings kann ich nach Stillen des Durstes mit einer Radlermaß gänzlich unbemerkt noch vor dem Abendessen heben – mit grandiosem Ausblick beim Loggen. So macht Cachen Spaß, so kann es weitergehen!

Früh am Mittwochmorgen brechen wir bei bestem Wetter auf, wohlwissend dass zum Mittag ein Wetterwechsel angekündigt ist. In Angesicht der langen Tour mit über sieben Stunden reiner Gehzeit will ich die Geduld nicht strapazieren, so bleibt der Cache “Fernwanderweg E5 – 02 – Bundesadler” entscheidende 195 Meter neben unserem Pfad ungehoben zurück. Schade, aber dort herrscht ohnehin gerade Muggelalarm. Ich wundere mich kurz über die offensichtlich untertriebene 1,5er Terrain-Wertung, dann fordert der Anstieg wieder volle Konzentration. Die Zahl auf dem Display, welche die Entfernung zum nächsten Cache zeigt, wird stetig kleiner, und die Vorfreude auf das nächste Döslein wächst.

Die “Vorbereitung” für Tradis besteht bei mir neben einen Blick in Google Maps meist aus der handschriftlichen, knappen Notiz der Koordinaten, ergänzt durch Größe und D-/T-Wertung. Das führt dann dazu, dass ich 270 Meter vor dem Cache feststelle, dass unser Weg nach Westen abzweigt, der Pfeil aber munter nach Norden auf einen sehr steilen Berg deutet. Kurzer Check des Cache-Zettels, hui ein T5-Cache. Als bekennender T5er würde ich zu gerne auf die Mädelegabel zu “Unser Allgäu – dr Schönste zom progle” hinaufkraxeln, aber die Zeit habe ich aus “Gruppendruck-Gründen” nicht, zumal ist die Ecke mit einem großen Schneefeld etwas frisch zum Warten. So bleibt nur der Blick auf die Gipfelstürmer. Nach den zwei ausgelassenen Caches hoffe ich nun schwer auf Nummer Drei meiner Tagesliste.

Der Einstieg in den eigentlichen Heilbronner Weg ist verknüpft mit umschlagendem Wetter. Es herrscht dennoch viel Betrieb, was nicht ganz nach meinem Geschmack ist. Der starke Wind bläst Regen über den Berg, jeder ist damit beschäftigt einen sicheren Tritt auf dem oft rundgetretenen Fels zu finden. Ein Teil des weiteren Verlaufs wird durch die als Farbkleckse hervortretende Wanderer erkennbar. Wieder wird die Entfernung zum nächsten Cache kleiner. Auch meine Mitwanderer, die sich zwischenzeitlich schon die eine oder andere meiner Anekdoten anhören mussten, wollen jetzt mal sehen, was es mit diesem Geocachen auf sich hat. Das GPS zeigt “noch 11 Meter” bis zu “Unser Allgäu – dr Klassiker zom progle” - an dieser Stelle windet sich der Pfad in Serpentinen sehr steil den Berg hinauf. Ich meine mich zu entsinnen, dass in der Cachebeschreibung stand, dass man “im Drahtseil eingebunden” bleiben kann. Sämtliches T5-Gerödel liegt daheim, ich finde, hier geht es problemlos auch ohne. Zum Glück ist der Suchradius damit auf die Nähe des Stahlseils begrenzt, so finde ich nach kurzem Auf und Ab das auffällig unauffällige Versteck ;) Mit breitem Grinsen stelle ich fest, dass das Logbuch noch jungfräulich ist, was auch die spontane Aussage mit sich bringt, dass ich abends eine Runde ausgeben werde. Meine Mitwanderer begutachten aufmerksam das Logbuch, was erfreulicherweise Platz für meinen extra mitgeschleppten Stempel lässt. Die gefundene Coin nehme ich mit auf die Reise, mein mitgebrachter Travelbug passt leider nicht in die sehr kleine Locklock-Dose hinein.

Voller Freude über diesen Erfolg genieße ich die letzten recht ausgesetzten Meter des Heilbronner Wegs. An dessen Ende trennen wir uns auf und – einer geht noch – zu zweit steigen wir hinauf auf das menschenleere “Hohe Licht”. Bei pfeifendem Wind muss ich etwas suchen, denn potentielle Verstecke gibt es hier viele und zudem muss ich angesichts der Höhe aufpassen, wo ich meinen Fuß hinsetze… Während sich mein verbliebener Mitwanderer im Gipfelbuch verewigt, logge ich die weit seltener frequentierte Alternative im “Highlight – Hohes Licht”, droppe den TB (den ich zuvor extra aus dem Bonus der Rheingauer Weinlagen-Serie abgeholt hatte) und mache das obligatorische Gipfelfoto samt Cache. Über die Rappenseehütte – dort kurze Stärkung mit Pflaumendatschi und Bier – endet der Tag in der Enzianhütte nach einer gut neunstündigen Tour, wieder ein grandioser Cache-Tag mit einem FTF, zudem liegt der höchste von mir gefundene Cache nun auf 2651 Metern!

Der Donnerstag war cachefrei, bescherte mir im Zuge einer weiteren langen Tour inkl. Gewitterabstieg mit dem zweifelsohne T5-würdigen Biberkopf den “südlichsten Gipfel” Deutschlands, wo ich ausnahmsweise mal ins Gipfelbuch schreibe ;)

Der Abstieg von der empfehlenswerten Enzianhütte am Freitag wird kurzfristig umgestaltet und die längere Alternative über den “Eselsweg” gewählt. Dass ich somit die beiden Caches “Südend 3 – Brunnen schwarze Hütte” und “Südend 2 – Rindviechtobel” unmittelbar überlaufe, fällt mir leider erst daheim auf. Immerhin finde ich zum Abschluss der Tour “Südend 1 – Birgsau – Stillach” an einem glasklaren Gebirgsbach. Die ebenfalls vorzeigenswürdige Locklock-Dose samt TB wird erneut sehr interessiert von meinen Begleitern inspiziert. Den darin enthaltenen TB Bill the old Badger befördere ich gerne weiter – er hat schon beeindruckende 66.000 km hinter sich. Auch für uns erschöpfte Wandersleut’ geht es nun einige Kilometer ‘gen warme Dusche!

Es war eine Freude, den an sich bereits beeindruckenden Heilbronner Weg noch mit schönen Caches garnieren zu können – vielen Dank den Ownern!

PS: Der FTF bei GC1FPFB steht immer noch aus und die Coin vom FTF wartet bereits in den Münchner Hausbergen bei GC17FF8 auf den nächsten Lift :)

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Wie ich auf Jans Blog namens :::broadcaster::: gestoßen bin, weiß ich gar nicht mehr. Aber ich weiß, dass ich es lese, weil es mir Einblicke in mir ziemlich fremde Welten ermöglicht. Der Beitrag oben ist ist dafür ein Paradebeispiel. Kletter- und Bergwandertouren, Berichte aus Polen und Irland – Jan hat mir schon viele schöne Geschichten ins Haus geschrieben. Bei Jan gibts klare Geschichten ohne Schnörkel, in der Regel bebildert und wer Lust auf Stöbern hat, dem kann ich nur die Einträge aus Jans Zeit in Krakau empfehlen.

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3 Kommentare »

  • 50 500 - Gastautoren auf dosenfischer.de | DOSENFISCHER sagt:

    [...] von Thomas O tempora, o mores von Mortimer B. Lockruf der Dosen von Hans Fallada Cachen am Heilbronner Weg von Jan Kretschmer alias [...]

  • Markus sagt:

    Das erfreut das Herz, wenn ein befreundeter Cacher und Ex-Mitglied der Betriebs-Sport-Gruppe Geocaching (kleiner Insider) einen Gastbeitrag bei den Dosenfischern schreibt. Und dann auch noch mit kleinem Werbebeitrag für unsere Weinlagen-Cache-Serie :-D

    Außerdem steigert dieser Beitrag die Vorfreude auf unseren eigenen Aufenthalt im Allgäu in den kommenden 2 Wochen mit entsprechend eingeplanten Wander-, Rad- und Cachetouren.

  • longroad.de - Das Unterwegs-Blog - » Blog Archive » Geocaching im Allgäu… sagt:

    [...] zwei Wochen schon von seinen Geocaching-Erlebnissen auf dem Heilbronner Weg bei den Dosenfischern berichtet hat, testen wir nun schon seit neun Tagen die Cache-Landschaft im [...]

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