Gastbeitrag Nr. 5 – O tempora, o mores!

15. September 200814 KommentareEiner von 576 Beiträgen von sandmann

Text: Mortimer B.

Es liegt ein Cache in Berlin. Seit ueber einem Jahr – ungefunden.

Inzwischen weit ueber 200 Beobachter scheinen sich ueber diesen Zustand Gedanken zu machen. Einige davon haben den Versuch unternommen, diesen Zustand zu aendern. Natuerlich erfolglos, denn der Cache ist ja ungefunden.

Andere begnuegen sich damit, dort hineinzuposten und wieder andere hatten eine tolle Idee: machen wir ein Geburtstags-CITO und sammeln alles auf, was dort so rumliegt: vielleicht ist ja der Cache auch mit dabei und schon koennten annaehernd 50 Accounts sich einen hart umkaempften „Find“ auf ihrer Habenseite verbuchen.

So weit, so gut!

Ich weiss nicht genau, was ich ueber diesen Cache denken soll: einen Behaelter auf einem Brummi-Rastplatz zwischen Unrat zu suchen ist nicht so mein Ding. Auch wenn der alte Unrat inzwischen entsorgt wurde und der neue Dreck nur erst wieder hingeworfen werden muss.
Was mir allerdings den groessten Respekt abverlangt: der Owner CyberMan54 hat *offensichtlich* einen Traditional gelegt, den selbst arrivierte und versierte Cacher bislang nicht finden konnten.
Es interessiert mich nicht wirklich, ob dieser Cache provozieren soll oder nicht, denn *mich* kann man mit einem solchen Cache bei einem *Hobby* nicht provozieren.

Andere offenbar schon und das gibt mir momentan zu denken:
Der von mir durchaus geschaetzte Cacher „Mystphi“ loggt ein „SBA“. Die Begruendung fuer diese Forderung wird auch gleich mitgeliefert: es geht ihm um die Glaubwuerdigkeit des Caches.
Wenn ich das richtig verstehe, dann leidet die Glaubwuerdigkeit dieses Caches darunter, dass er nicht gefunden wurde. Seit ueber einem Jahr und obwohl sich schon so viele daran versucht haben.
Nun ist nach dieser Argumentation der Owner gefordert. Er soll *beweisen*, dass der Cache ueberhaupt da ist. Der Owner moege doch bitte einen „ueber jeden Zweifel“ erhabenen Cacher die Versteckidee praesentieren, der dann wiederum der gespannten Gemeinde versichert: „Jawohl, der Cache ist da. Er ist nur so gut versteckt, dass die bisherigen Sucher ihn immer wieder „uebersehen“ haben!“

Und viele stimmen in den Chor mit ein und halten das fuer vernuenftig. Auch der von mir so hochgeschaetzte Dosenfischer Sandmann, der gemeinsam mit Aba schon das eine und andere Mal ueber den Cache in ihren Podcasts berichtet hat.

Verzeihung, wenn ich eine andere Meinung dazu habe.

Sind wir wirklich schon so weit, Beweise fuer die Existenz eines ungefundenen Caches zu verlangen? Muss nun ein Owner seine Ideen ausbreiten, damit sein Cache weiter existieren kann?

In der Justiz gilt das Prinzip der Unschuldsvermutung. Warum sollte in diesem Fall nicht dasselbe Prinzip gelten? Warum muss CyberMan54 beweisen, dass sein Cache vielleicht schlicht und ergreifend „genial“ versteckt ist?

Und wie sieht es dann in der Zukunft mit Caches aus, die vielleicht ebenso clever versteckt sind, dass sie nach mehreren Tagen, Wochen oder Monaten nicht gefunden werden? Koennen wir dann ebenso vom Reviewer eine Archivierung fordern, statt ein „DNF“ zu loggen? Ist jeder Owner, der vielleicht unglaublich gut verstecken kann, in Wirklichkeit ein Scharlatan, der gar keinen Cache versteckt hat? Sollte das Misstrauen bei einem *Hobby* wirklich so weit gehen? Und sehen wir uns tatsaechlich ausser Stande, solche Caches entweder zu ignorieren oder dem Owner den Respekt zu zollen, den seine Versteckidee vielleicht verdient hat?

Ich finde diese Forderung nach einem Beweis nach wie vor fragwuerdig und ich hätte mir gewünscht, dass sich der Owner CyberMan54 ihr *nicht* gebeugt hätte!

———————-

Mortimer B. ist ein Freund im allerbesten Sinne. Und als Geocacher ein Meister des Mysterys. Punkt.

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14 Kommentare »

  • 50 500 - Gastautoren auf dosenfischer.de | DOSENFISCHER sagt:

    [...] O tempora, o mores von Mortimer B. [...]

  • Marco Dalke aka xibalba01/Fan N°2 sagt:

    Wenn es doch wirklich nur ein genialer Tradi ist: GENIAL versteckt.
    Es ist und bleibt aber ein fader Beigeschmack wegen dem offensichtlich noch immer schwelenden Cacherkrieg, wie er von Balla & Silly im grünen Forum beschrieben wurde. (Vielen Dank noch einmal dafür!)

    Die Nachbardose Cyber-Treff giesst dazu ja auch noch ordentlich Öl ins Feuer :/

    Ich kann alle Cacher verstehen, die FÜR DIESEN EINEN CACHE einen Beweis fordern; schliesslich gehöre ich auch dazu!

  • sandmann (Autor) sagt:

    Weil es in dieser ganzen Sache so viele Verletzungen und soviel alte Wunden gibt, soviel “Der hat gesagt”, “der hat gemacht”, fühle ich mich außer Stande da eine moralische Bewertung von irgend etwas zu geben. Ich will es auch nicht. Und in Foren und Blogs und Logs stehen (wie hier) in der Regel Meinungen, die niemand wirklich überprüfen kann. Man hüte sich also vor Schwarz-weiß…

    Mortimer hat insofern Recht, als dass er sich auf etwas Grundsätzliches bezieht: Regeln sind dafür da eingehalten zu werden. Eine Ausnahme sorgt dafür, dass es nicht mehr plausibel ist, warum es nicht tausend Ausnahme geben könnte und das macht die Regel am Ende überflüssig. Und eine Regel, die “Unschuldsvermutung” heißt, halte ich für absolut sinnvoll und gut.

    Dass wir nun die sind, die da mal gucken gehen, zerhaut mir natürlich die komplette Argumentation, aber so ist es eben…

  • rehwald sagt:

    jaja, so ist es eben. “Wer ohne Sünde ist, werfe den ersten Mikro” oder so ähnlich. Trotz der Feststellung, dass so ein “Kontrollbesuch” eher so nach Primelpottpisser und Stasi 2.0 klingt (man will ja schließlich alles wissen), gibt es ja auch noch die menschliche Neugier (und wieder: man will ja schließlich alles wissen). Am ende kommt bei heraus, dass er wirklich da ist und ganz primitiv versteckt und wieder rennt alles da hin und versaut mir mein FTF findet nix. Aber immerhin sind sich dann alle sicher, dass da wirklich was ist und sich das Ganze nicht als fiese Gemeinheit herausgestellt hat (aber Pessimisten werden trotzdem was finden…).

    So ist sie halt. Die menschliche Natur. (man sollte auch nicht rauchen, oder zu viel ungesundes Zeug in sich reinstopfen, trotzdem tut man es)

  • Wölfi sagt:

    Ich stehe hinter einem Zaun und schaue auf das Geschehen genauso wie auf ein Baseballspiel: Von Baseball verstehe ich nun überhaupt gar nichts und deswegen, kann mich auch gar nichts aufregen, was ich zu sehen glaube. Ich werde lediglich darin bestärkt, eine Cache erst zu suchen, wenn die ersten Betatester ihn als suchbar befunden haben. Ich kann mir nämlich nicht vorstellen, dass ein guter Cache mit der Anzahl der Finder schlechter werden sollte.

  • hans fallada sagt:

    Na das ist ja schon fast ein Glaubenskrieg, was in Sachen “Brummitreff” abgeht. Aber 35+ DNF’s beweisen noch lange nicht das es dort keine Dose gibt. Irgendwann wird ihn einer finden, mit oder ohne unabhängigen Gutachter! Deshalb sollten neben der Neugier, dem Ehrgeiz und (bösen) Unterstellungen auch vielleicht die Akzeptanz darüber stehen – das es eben vielleicht auch das ist was es ist – ein geniales Versteck.

    So ist das eben.
    Sincerely Hans

  • Mystphi sagt:

    Moin Mortimer,

    erstmal vielen Dank für die Bekundung Deine Wertschätzung mir gegenüber, wobei mir nicht ganz klar ist, worauf die beruht, da wir weder bisher Kontakt miteinander hatten, noch wir jeweils einen Cache des anderen gefunden haben. Ich denke, wir werden bezüglich des Brummitreff wahrscheinlich verschiedener Meinung bleiben (ist ja auch nicht wirklich schlimm), aber ein paar weitere Informationen aus meiner Sicht möchte ich Dir doch noch geben. Den SBA als Logvariante hatte ich schlicht und einfach deswegen gewählt, weil ich damit gleich einen Reviewer auf den Plan rufen wollte, denn schließlich hatte ich ja gefordert, dass ein Reviewer diese Prüfung durchführen sollte. Ansonsten hätte ich auf jeden Fall eine einfache Note gepostet. Warum ich der Meinung bin, dass die Annahme einer Schummelei als Möglichkeit durchaus legitim ist, hatte ich ja bereits ausführlich in den Noten geschrieben. Was die sog. “Unschuldsvermutung” angeht, da stimme ich mit Dir und dem Sandmann nicht überein. Wenn diese Vermutung wirklich so absolut gehandhabt werden würde, dann gäbe es keine Indizienprozesse, bei denen der Täter anhand von Indizien überführt und schließlich verurteilt wird. Genauso sehe ich den Fall beim Brummitreff. Die Indizien sprechen sehr stark für eine Schummelei, auch wenn eine gewisse Restunsicherheit bleibt. Warum sich Cyberman meinem Druck gebeugt hat, weiß ich natürlich nicht im einzelnen, aber ich vermute einmal, dass er einfach pragmatisch gedacht hat. Was hätte er denn für Möglichkeiten? Wenn der Cache tatsächlich da ist, er aber einer Kontrolle widerspricht, dann würden wahrscheinlich alle, die einen Betrug vermuten den Cache auf die Ignoreliste setzen und fertig. Aber ein gewisser fader Beigeschmack würde diesem Cache immer anhaften bleiben, mindestens so lange, bis ihn irgend jemand irgendwann einmal gefunden hätte. Andererseits, wenn die Kontrolle einen tatsächlich genialen Cachebehälter ergibt, dann hätte Cyberman damit wohl eindeutig Geocachinggeschichte geschrieben und ein Platz auf dem Cacheolymp wäre ihm sicher. Ist es opportunistisch, die zweite Möglichkeit zu wählen? Was die Rechtmäßigkeit oder Unrechtmäßigkeit der Forderung nach Beweisen angeht: Betrachten wir doch mal den umgekehrten Fall, dass der Cache tatsächlich nicht existiert und Cyberman sich köstlich über die dummen Cacher amüsiert. Er könnte sich für alle Zeit auf das Argument zurückziehen, die Sucher hätten nur noch nicht in der richtigen Weise gesucht. Es könnte ihm niemand jemals die Wahrheit nachweisen, und nebenbei wäre ein solcher Cache auch noch regelwidrig. Da die bisherigen Indizien zumindest aus meiner Sicht für die zweite Variante sprachen (warum ich einen genialen Cachebehälter für unwahrscheinlicher halte, habe ich ja auch schon geschrieben), war es für mich ganz klar, von der einzigen Möglichkeit, dieses Theater fair zu beenden Gebrauch zu machen, und möglichst lautstark eine unabhängige Kontrolle zu fordern. Ich sehe daran nichts verwerfliches, nein eigentlich sogar eine Notwendigkeit, denn die Ignoreliste ist nur Prmiummembern zugänglich. Es war eine logische Folge der Fakten, und ich bin sehr froh darüber, dass Cyberman diesem Wunsch so schnell nachgekommen ist und die Dosenfischer sich zu dieser Aufgabe bereiterklärt haben. Und wenn sich dann tatsächlich die Genialität des Caches herausstellen sollte, dann wäre ich der letzte, der das nicht gebührend in einem Foundlog zu würdigen weiß, sollte ich jemals diesen Cache finden.

    Viele Grüße
    Gerald

  • KBreker sagt:

    Ich kann Mystphi auch uneingeschränkt zustimmen und frage nochmal etwas provokanter weiter: wieso hat der Owner diesen gewissen Bonus?

    Meine Behauptung: wenn dieser Cache nicht durch die Dosenfischer so bekannt gemacht worden wäre: wahrscheinlich wäre er schon längst im Archiv.

    Wenn ich hier vortäusche, eine Dose zu legen, aber die Koordinaten “als Cache getarnt” veröffentliche, so glaube ich ganz sicher, dass es keine paar Wochen dauert und das Ding ist im Archiv.

    Die Reviewer mahnen einige Owner an, wenn ein Cache disabled ist und der letzte Fund länger als drei Monate nicht gefunden wurde.

    Warum nicht hier? Welchen Prominentenbonus hat der Owner? Caches sollen gefunden werden.

  • sandmann (Autor) sagt:

    Soweit ich das via Watchlist verfolgt habe, hat der Owner einem Reviewer auf Drängen des Reviewers und der Community hin sein Konzept offengelegt. Danach hat der Reviewer beschlossen, den Cache laufen zu lassen.

  • matzotti sagt:

    Gehen wir diese Frage doch einmal anders an: Wie ist es möglich einen Cache so lange laufen zu lassen, ohne dass ein Reviewer in archiviert ? Der zuständige Reviewer ist eingeweiht und dem Owner wohl ziemlich gut gesonnen. Er hat denselben Sinn für einen Cache wie der Owner, ja ist der Owner vielleicht der Reviewer ?

  • London Rain sagt:

    Die Reviewer mahnen einige Owner an, wenn ein Cache disabled ist und der letzte Fund länger als drei Monate nicht gefunden wurde.

    Warum nicht hier? Welchen Prominentenbonus hat der Owner? Caches sollen gefunden werden.

    Hä? Der Cache ist doch gar nicht disabled. So doof und albern ich ihn finde. ;)

  • -jha- sagt:

    Für mich stellt sich eher die Frage: Wie gut können die Dosenfischer dichthalten hinterher?
    Wieviele Hhints werden sie an allerallerbeste Freunde rauslassen? Wird es etwas bringen, sie besoffen zu machen und/oder Geld zu bieten? Vielleicht taucht ja auch noch was in der Elektrobucht auf
    “FTF an Cache mit > 200 Watchern. Unbedingt ansehen.”

  • aba sagt:

    @jha.
    diese frage habe ich gestern abend auch mit tom (ohne larson) diskutiert. fakt ist: ich bzw. wir haben, und dazu stehe ich, keinerlei motivation, auch nur eine winzigkeit zu dem cache zu verraten. weder an gute freunde noch an allerbeste. ich faende es zudem auch von seiten der frager bedenklich, wenn man uns tatsaechlich dazu bewegen will, details preiszugeben. damit stellt man einerseits uns in ein licht, in das wir nicht gehoeren, und andererseits natuerlich sich selbst auch bloss.
    jeder der uns nach einem hinweis fragen sollte unterstellt uns doch indirekt, dass wir unser an cybermann natuerlich gegebenes wort, eben nichts zu verraten, eventuell brechen wuerden. das faende ich bedenklich, weil dem nicht so sein wird.

    das mit geld und besoffen – neee ;) beides nicht. aber das szenario mit der bucht, das haben wir genau so auch schon im kopf.
    ;)

  • -jha- sagt:

    Wenn man die Absurdität auf die Spitze treiben wollte, dann könnte der Cyberman selbst den FTF versteigern, den Erlös einem wohltätigen Zweck widmen und zur feierlich Überreichung des 100%-Spoilers vor Ort die Lokalpresse laden, die schon lange mal wieder einen der sowieso immer irgendwie grottenschlechten Geocaching-Zeitungsartikel haben will, um den Freiraum zwischen den Anzeigen zu füllen.

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