Geocaching in der Wissenschaft – Daniel Telaar im Interview
Daniel Telaar hat Pionierarbeit geleistet. Mit seiner Diplomarbeit legt er die erste empirische Untersuchung über den Geocacher an und für sich vor. Weil Münster leider so weit weg ist und der Teleporter immer noch nicht erfunden, haben wir im Podcast 17, der am 9. März erscheint, ohne Daniel über seine Arbeit geredet. Aber O-Ton gibt es trotzdem, wenn auch in schriftlicher Form. Ein E-Mail-Interview:
Dosenfischer
Geocaching als Stoff für eine wissenschaftliche Untersuchung – wie bist Du auf das Thema Deiner Arbeit gekommen?
Daniel Telaar
Ich betreibe selbst Geocaching und habe interessehalber mal nach wissenschaftlichen Arbeiten zum Thema gesucht. Und eigentlich nichts finden können. Daraus hat sich dann nach und nach die Idee einer Diplomarbeit entwickelt, die den eigentlichen Geocacher mit seinen Verhaltensweisen, Motivationen und demographischen Kennziffern beleuchtet.
Dosenfischer
War es schwer, einen Gutachter für die Arbeit zu finden?
Daniel Telaar
Nein, mein Erstgutachter fand das Thema sofort sehr interessant und auch tauglich für eine Arbeit – er beschäftigt sich intensiv mit ortsbezogenen Informationsdiensten (Location based services) und Navigation.
Dosenfischer
Wie hast Du Deine Daten erhoben? War es schwer, Geocacher zum Mitmachen zu bewegen?
Daniel Telaar
Über zwei Internetbefragungen (siehe Kapitel3). Die Geocacher habe ich über Community-Seiten (Geocaching und navigationsbezogene Communities), Opencaching.de, private Homepages, Blogs, E-Mails und Newsgroups angesprochen. Einige Geocacher haben aus eigener Initiative für meinen Fragebogen geworben. Das Interesse daran war von Anfang sehr groß. Zusätzlicher Anreiz war die Verlosung von Sachpreisen (Coins, T-Shirts etc.), die ich vom Geocoinshop und von Cachezone geschenkt bekommen habe.
Dosenfischer
Gab es für Dich überraschende Erkenntnisse?
Daniel Telaar
Nein, eigentlich nicht wirklich – vieles von dem was ich geschrieben habe, habe ich auch vorher schon vermutet oder gedacht. Nur ist es jetzt so, dass es empirisch durch Zahlen belegbar und verwertbar ist.
Dosenfischer
Du bist ja selbst auf Dosensuche – inwiefern hat das Deine Arbeit beeinflusst?
Daniel Telaar
Ich vermute ich hatte mehr Spaß als andere an ihrer Diplomarbeit ![]()
Dosenfischer
Mit welcher Erwartungshaltung bist Du an die Arbeit gegangen und inwieweit hat diese sich erfüllt?
Daniel Telaar
Auf jeden Fall habe ich nicht mit einer so großen Masse an Leuten gerechnet, die sich an der Befragung beteiligen. Da war ich sehr positiv überrascht.
Enttäuscht hat mich allerdings, dass mir in den großen Foren einige wenige mit sehr großem Misstrauen entgegen getreten sind, was die Stimmung etwas ins Negative kippen ließ und mich in die Situation brachte, mich ständig rechtfertigen und verteidigen zu müssen.
Was den Inhalt der eigentlichen Arbeit angeht hatte ich mir das Ziel gesetzt, eine möglichst umfassende Beschreibung des deutschen Geocachers in Bezug auf seine demographischen Eckdaten, sein Verhalten und seine Motivationen zu gestalten. Ich denke, dass es mir auch in vielen Bereichen gut gelungen ist, jedoch kann man das ganze aus so vielen Blickwinkeln beleuchten, dass im Grunde immer etwas zu kurz kommt. Das ist wohl das Problem wenn man einen “Rundumschlag” macht. Auch wenn vielleicht der eine oder andere Aspekte hätte tiefergehend betrachtet werden können, denke ich aber, dass mir es mir gelungen ist die Kernaspekte ausreichend zu beleuchten.
Dosenfischer
Gab es Stellen, an denen sich bei der Arbeit Frust einstellte, an denen Du das Gefühl hattest, dass geht so nicht?
Daniel Telaar
Weil ich an vielen Stellen “Pionierarbeit” geleistet habe war ich mir oft unsicher, ob das auch wirklich richtig ist was ich da mache und schreibe und ob es dem wissenschaftlichen Anspruch auch gerecht wird. Wie so oft im Leben hat sich aber gezeigt, dass man einfach an sich und seine Fähigkeiten glauben muss. Dann fällt vieles leichter.
Frust hatte ich vor allem in den in der vorherigen Frage genannten Situationen in denen man mir absurde Dinge vorwarf. Die Angst vor Kommerzialisierung ist innerhalb der Community sehr groß.
Dosenfischer
2000 befragte Personen – nein sogar noch mehr, denn es waren ja auch ungültige Befragungen dabei – wie handhabt man diese Datenmenge? Warst Du damit allein?
Daniel Telaar
Ja, ich war allein, hab die Daten mit SPSS, einem Statistik-Programm, bearbeitet. Das einzige was durch den großen Umfang an Ergebnissen deutlich erschwert wurde war die Bereinigung der Daten von ungültigen Angaben. Es gibt wirklich viele “Trottel”, die meinen eine Befragung mutwillig negativ beeinflussen zu müssen. Sehr aufwendig war auch die Normalisierung der Tätigkeitsbereiche. Das hat mich fast eine ganze Woche gekostet
Dosenfischer
Haben die Ergebnisse Deiner Arbeit Einfluss auf Deine ganz persönliche Sicht auf Geocacher? Trittst Du Geocachern nun anders gegenüber?
Daniel Telaar
Ich muss öfter mal schmunzeln wenn mal wieder genau das auf eine Person zutrifft, was ich in meiner Arbeit herausgefunden habe. Zum Beispiel, dass sich das Verhalten und die Ansichten beim Cachen mit der Zeit deutlich wandeln können. Die einen die am Anfang noch sagen, dass sie nie und nimmer heiß auf Punkte sein werden, sind es dann nach einem Jahr eben doch usw. ![]()

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