Schuppenschlafen
Geocaching wird gern als Spaß für die ganze Familie verkauft. Papa bastelt mit Technik rum, Mama löst Rätsel und erholt sich an der frischen Luft, die Kinder toben frohgemut durch den Wald, dass es nur so eine Freude ist – soweit das gängige Klischee. Klingt nach Familienfrieden und Familienfrieden – seien wir ehrlich – Familienfrieden ist immer gut.
Bei mir hat sich das gewandelt. Ich schlafe seit einigen Wochen im Schuppen. Gottseidank reicht das Wlan bis dort. Erst hatte der Nachwuchs nach ein paar Erlebnissen mit nicht enden wollenden Suchaktionen und Erwachsenen, die schmallippig und krausstirnig versuchen, aus eben ermittelten Zahlen Koordinaten zu machen, die Nase gestrichen voll. Am Ende des vergangenen Sommers kam es immer öfter kleinlaut von der Rückbank: “Aber wir wollen doch nicht etwa Cachen gehen?” Mh. Nein. Mit quengelndem Kind eigentlich nicht.
Nachdem im Herbst und im heranbrechenden Winter das Geocaching für mich aus Versehen immer mehr zu einem Freizeitvergnügen ohne die Liebste, dafür in männlich dominierten Kleingruppen wurde, hatte dann auch die Angebetete höchstselbst keinen Nerv mehr. Der Appetit kommt schließlich beim Essen und die Begeisterung fürs Geocaching stellt sich eben nicht ein, wenn man Wochenenden alleine verbringt oder wahlweise dem Dicken da im Sessel dabei zuschaut, wie er Logs schreibt, Foren liest, GSAK bearbeitet oder ein Blog befüllt, bei aller Liebe… Zumal die Liebste Zeugin eines bei mir angeblich häufiger zu beobachtenden Phänomens wurde, das am besten zu beschreiben ist mit: ganz oder gar nicht. Dialog am Frühstückstisch:
Liebste (macht einen Brief auf): Dein Onkel XYZ ist gestorben.
Ich: Oh!
Pause
Liebste: Wir fahren nicht zur Beerdigung, oder?
Ich: Natürlich fahren wir. Das war mein Lieblingsonkel!
Liebste: Aber Du hast ihn noch nie erwähnt…
Ich: Ähem… doch.
Liebste: Na das wüsste ich aber…
Ich: Komm schon… die letzte Ehre. Und außerdem gibts im Taunus tolle…
(Hier bitte selbstständig das Geräusch zuschlagender Türen hören)
Da hilft es dann auch nicht darauf zu verweisen, dass es andere noch viel schlimmer treiben und auch als ich nach einer Nacht im Wald meine dornenzerstochenen Beine vorzeigte, erntete ich nun nicht mehr wohlwollendes Mitleid, sondern eher Fassungslosigkeit und die Art von Nachsicht, die man gewöhnlich Geisteskranken entgegenbringt.
Ich durfte den kleinen Fernseher aus dem Keller mit in den Schuppen nehmen…
Manchmal träume ich nachts unter den Brettern, die meine Zudecke sind, von den Zeiten, in denen die Liebste noch Lust hatte, sich kreativ mit meinen Macken auseinanderzusetzen.
Weil der Weg aus dem Schuppen, also der Pfad zum Herzen der Liebsten, oft einen Umweg über das Kinderzimmer macht, ist meine derzeitige Strategie, erstmal das Kind wieder zu gewinnen. Nach ein paar leichten Fingerübungen, bei denen der Nachwuchs selbstverständlich die Dosen und so auch einen Teil der verloren gegangenen Motivation fand, waren wir am Sonnabend zusammen mit anderen Kindern auf einer Expedition ins Tierreich. Das ist ein Nachtcache vor den Toren der Stadt, eine wundervolle Reflektorstrecke, die schon deshalb für die Kleinen ein Riesenspaß war, weil sie ihr alleine und ohne die technisch bedingten Pausen zum Koordinatentippen folgen konnten.
In Phase zwei, das habe ich mir bereits ausgedacht, beginne ich, die Liebste in Sicherheit zu wiegen. Ich sage, “Fahren wir raus an den See?” und wenn sie nach Caches fragt, tue ich so, als hätte ich im Leben nicht ans Dosensuchen gedacht. Und, ganz wichtig, vor Ort werden keine Dosen gesucht. Jedenfalls nicht so, dass sie es bemerkt. (Durchfall ist ein gutes Argument für die vorgeschoben längere Verweildauer im Dixi-Land des Naturparks.)
Habe ich ersteinmal so das Kind begeistert und der Liebsten Vertrauen zurückgewonnen, kann Phase drei beginnen. Da wünscht sich dann das Kind ganz zufällig eine gemeinsame Tour mit beiden Eltern und zufällig ist nicht nur schönstes Wetter, sondern auch ein wunderschöner Spaziermulti just an diesem Tag auf unserem Radar aufgetaucht. Und zufällig hat das Kind beste Laune und es sind an jeder Station Fragen zu beantworten, die ich keinesfalls, die Liebste aber in traumwandlerischer Sicherheit klären kann. Zu allem Überfluss stecken im Final Kerzen und ein Klapptisch und ein Heizpilz und eine Tischdecke und – naja, alles halt, was es so braucht, um an einem Vorabend im Vorfrühling vorzüglich vorbereitet formidable Stunden miteinander zu verbringen. Und das sollte nun wirklich nicht nur für den Moment Frieden schaffen – der Effekt sollte eine Weile anhalten. Und bis zum nächsten Schuppenschlafen hab ich dann auch einen Plan B…

Solange die Liebste nicht auf die Idee kommt, das Durchfall-Verbot auszurufen
Jaja, dieses mitleidige Lächeln. Das hat mich auch bereits mehrfach ereilt. Und das schon bei meinem derzeitgen Statistik-Stand. Am Samstag durfte ich auch nur mit, weil ich sonst ja auch immer meine (kleine) Große mitschleppe, es diesmal aber einfach nicht ging (zu spät, zu dunkel, zu grusselig, zu klein). Wie gut, dass wir keinen Schuppen haben.
Aber eine sehr bequeme Couch…
Probier doch mal die genannte Strategie aus… Vielleicht klappts ja
Warum kommt mir das nur all zu bekannt vor? Ich habe keine Idee…
)
(Ich komme übrigens gerade von einer zweiwöchigen Deutschland-Tour zurück. Hat meine Liebste geplant. Wir haben Freunde und Verwandte besucht. Hatte ich ja früher immer keine Lust drauf. Aber man muss ja auch mal zurückstecken können…
[...] abend habe ich bei den Dosenfischern noch einen Beitrag über die Familienverträglichkeit des Cachens gelesen. Es ist wahrscheinlich wie bei allen Dingen, [...]
Ja ja MAN hat’s schon nicht leicht
*grins* –Frau aber auch nicht… Wenn der Herr wieder kein nerv hat bei dem kalten Wetter vor die Tür zu gehen. Zum Glück haben wir Frauen ja immer die nette Ausrede, das die beste Freundin grade wieder riesige Probleme hat und wir ganz dringend helfen müssen!
*hihihi* (Das das Problem beim Cache finden liegt, muss er ja nicht wissen)
Klasse Beitrag! Sowas habe ich schon so häufig (von anderen) gehört.
Ich selbst bin in der glücklichen Lage einen verständnisvollen Partner zu haben, der mich beim Dosensuchen nur zu gern unterstützt, am Samstagmorgen freiwillig um 6 Uhr morgens aufsteht, um mich nicht alleine im Wald herumstromern zu lassen, der auf ein Frühstück im Bett verzichtet, um stattdessen mit mir, seiner Liebsten auf einem namenlosen Parkplatz in Cache-Nähe den Kaffee aus der Thermoskanne zu trinken, Stullen und Äpfel zur Stärkung zu futtern, um dann weiter zu nächsten Tupperdose zu gehen/zu fahren. Es stört ihn auch nicht, dass ich kaum Zeit habe, die Wohnung ordentlich aufzuräumen geschweige denn unsere Cacher-Klamotten zu waschen
Unser Wohnzimmer sieht aus wie ein Lager für Tupperdosen, Schreibwaren, Spielzeug oder Elektronikkrams. Die Wochenendplanung richtet sich ausschließlich nach den neuen interessanten Dosen oder Events in der näheren oder weiteren Umgebung aus. So ist das bei uns. Ach übrigens, für Kinder hätten wir gar keine Zeit *grins*
VLG Annett oder Frau Töse
Ich bitte immer zu bedenken, dass in Geschichten nahezu alles erlaubt ist, was Spannung, Lesefreude oder Schmunzeln erzeugt, unabhängig von einem Zustand der Welt, den manche Realität nennen
@sandmann
So habe ich es verstanden. Trotzdem darfst du nicht vergessen, dass der von dir beschriebene Zustand für etliche aber Realität ist 
Das ist mir völlig klar
Mein Posting hingegegen entspricht in allen Teilen der Wahrheit!!!
))
VLG Annett oder Frau Töse
Von wem redet die eigentlich?
Na das werden wir an diesem Wochenende ja herausfinden…
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Zwischenmahlzeit: Schade
. Aber Gott sei Dank ist ja...
Kathi: Also so ganz hatte ich den Sinn von dem QR-Aufkleb...
mic@: Fehlt in den Shownotes nicht der Link vom Online-Rou...
Quasselkasper: Auf Eure Frage, ob noch jemand das Geocaching...
mic@: Schön, mal wieder einen meiner Lieblings-Podca ster zu...
DocW: @aba: Tut es. Wenn der Titel abgespielt wird, dann...
aba: @docW. scrollt dein autoradio nicht bei langen titeln?...
rautAxe: Endlich komme ich dazu die Podcasts nach zuhören
...
black_hole: Dieser Podcast war wieder so gut, dass ich ihn...
Klaus: Potacken? Ich persönlich sage das nicht, aber hier in...
BestHafr: Heute wurde bei uns in der Gegend der Cache...
radioscout: Vielen Dank für den Solo-Podcast. Gute Besserung...
GeoArkon: Mal wieder eine Solonummer. Nicht so “lyri...
HaJoSoCha: Ah ja. GMC. Mein amerikanischer Nachbar (Mitte...
Wartezimmer: Hat mir gut gefallen. Da wird mir wieder...
Dr. Venkman: Toller Bericht… …und natürlich sind...
Chris Race: Läuft schon?
TKKR: Dann hoffe ich mal, dass ihr gerade im Moment im ZdK...
iserluKs: Gute Besserung aus dem Sauerland!
Frank: Das ist dann mal ein ganz anderer Einblick ins Reich...
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