Warum sich Bloggen und Geocaching gut vertragen

24 Januar 2008 8 KommentareEiner von 459 Beiträgen von sandmann

Nachdem bereits seit vielen Jahren Geocacher auf Internetseiten über ihr Hobby berichten, ist in den vergangenen Monaten die Zahl der Geocaching-Blogs gestiegen. Es scheint fast, als kämen täglich neue hinzu… Immer mehr Menschen nutzen die Technologie der Blogs um einfach, schnell und mit dem Vorteil der eingebauten Vernetzung Geocaching in die Welt zu tragen. In die Welt? Nunja. Nicht ganz. Doch von vorn:

Geocaching und Internet gehören zusammen
Geocacher sind online. Ein wichtiger Teil ihres Hobbys findet im Internet statt – Geocaches suchen, auswählen, für die Tour aufbereiten, loggen und veröffentlichen, all das wäre ohne das Internet undenkbar. Geocacher lesen Logs – warum also sollten sie nicht auch Blogs lesen? Geocacher schreiben Logs – warum sollten sie nicht auch Blogs mit ihren Texten befüllen.

Geocacher sind eine überaus klare Zielgruppe
Wer schon einmal ein Forum aufgesetzt hat, weiß – alles steht und fällt mit dem Thema. Hat man eine geschlossene Zielgruppe mit möglichst vielen gemeinsamen Nennern, ist es leichter, Leben in das Stück Software zu kriegen, als wenn man einen Gemischtwarenladen betreibt. Warum dann Blogs, fragt sich vielleicht mancher, warum nicht Foren? Ganz einfach – in Blogs ist es leichter, den Tonfall und die Art der Texte im Zaum zu halten. Bei aller Redefreiheit bleibt das Blog doch immer noch so etwas wie das Wohnzimmer der Schreiber und im besten Falle achten die darauf, dass hier nichts ausufert, nicht rumgepöbelt oder blasiert dahergequatscht wird. (Als jemand, der schon ein wenig länger blogt, habe ich die Löschtaste sehr zu schätzen gelernt.)

Geocacher sind kommunikative Wesen
Geocacher treffen sich auf Events, schreiben sich Mails, grüßen sich und teilen ihre Touren über Logs, gehen gemeinsam auf Schatzsuche, tratschen über andere Geocacher und haben eine Menge Empfindlichkeiten. Der besondere Aspekt bei Blogs wiederum ist die Vernetzung: Beiträge können kommentiert werden, Blogs benachrichtigen andere Blogs darüber, wenn ein Link gesetzt wurde, Blogs haben in der Regel eine Blogroll mit Links zu anderen Blogs. Das alles passt, würde mein Großvater sagen, wie Arsch auf Eimer.

Es gibt keine zentralen Publikationen
Auch wenn bereits tausende Menschen diesem Hobby fröhnen – es gibt keine amtliche Geocaching-Zeitschrift, keine Radiosendung und nur wenig Aufmerksamkeit aus den alten Medien. Das schreit förmlich danach, diese Lücke über Blogs zu schließen.

Geocacher sind multimedial
Geocacher knipsen, filmen und schleppen jede Menge Technik mit sich herum. Blogs sind die perfekte Plattform zur Veröffentlichung dieser gesammelten Daten. Blogs lassen sich mit Google Maps verknüpfen, mit flickr, haben eigene Galerie-Funktionen und sogar Filme und Podcasts sind problemlos einzubinden. Das geht fast so einfach, wie Texte online zu stellen.

Nachteile?
Wo Licht ist, ist Schatten und das Licht am Ende des Tunnels ist manchmal auch ein D-Zug. Wichtigster Nachteil der neuen Veröffentlichungswelle für den Leser ist die Gefahr, unversehens auf Spoiler zu treffen. Hier sind die Herausgeber und Redakteure der Blogs gefragt – sie müssen sich ihrer Verantwortung bewusst sein. Ebenfalls ein Nachteil ist, was eben noch als Vorteil geschildert wurde: die feste Zielgruppe mit einem überschaubaren Themenfeld. Schnell läuft man als Geocaching-Blogger Gefahr, redundant zu sein, in dem man Artikel verlinkt, die die Leser schon lange selbst gefunden haben.
Ein weiterer wichtiger Nachteil ist, dass sich Geocaching-Blogs nur schwer für Muggels öffnen lassen. Zu speziell wird die Sprache bereits nach wenigen Artikeln, zu sehr neigt man als Autor dazu, Wissen vorauszusetzen. Schließlich will man sich ja auch selbst nicht langweilen.

Was fehlt?
Was fehlt denn noch in der deutschen Geocaching-Blogosphäre? Tourenberichte gibts allerorten, Empfehlungen, Tipps zu Technik, Software, Ausrüstung und Kleidung auch, regionale Geocaching-Seiten sind ebenfalls am Start. Was mir persönlich fehlt, ist ein geocachender Humorspezialist, einer der mit etwas Sarkasmus und vielleicht auch mit frisch gespitzem Zeichenstift unser Hobby begleitet. Das wäre ein schönes Gegengewicht zu den Fundamentalisten und hielte uns alle davon ab, das Geocaching und uns selbst so ernst zu nehmen, wie dieser Artikel hier klingt.

8 Kommentare »

  • Linemández sagt:

    Geocachender Humorspezialist? “Bitte fügen Sie hier den Namen eines Prominenten ein, der Ihnen als erstes einfällt” :) .
    Cartoons zum Thema GC gibt es ja bei geocaching.de (ja gut, ist kein Blog) – naja… “haha, lustig” fällt mir dazu meistens ein.
    Aber es stimmt schon, die meisten GC-Blogs ähneln sich sehr (da schließe ich mich bislang durchaus mit ein, ich werde mich in Zukunft um einen eigenen Stil bemühen): Technikteil, geklaute GC-News aus anderen Quellen und natürlich Berichte vom Dosensuchen, die sich leider allzuoft am Schema “Wir suchten, fanden und hatten alle viel Spaß” orientieren, garniert mit Fotos (“das sind wir beim Suchen, Finden und viel Spaß haben”).
    Aber mal ehrlich – Blogs aus anderen Themenbereichen sind im Durchschnitt auch nicht abwechslungsreicher.

  • sandmann sagt:

    …das war gar nicht als allgemeine Kritik gemeint. Wir sind ja auch thematisch nicht anders. Blogs leben, denk ich, immer von der Art und Weise… Ich mag es schon sehr, wie jeder eben genau auf seine Weise seine Geschichten erzählt.

    Die Cartoons von geocaching.de kenn ich. Mh.. ist nicht sooo mein Humor… Und der Profi-Humorist unter den Cachern hat mir zwar viel Freude bereitet, aber eben nur einmal mit einem Buch… so eine regelmäßige, bissige Kolumne fände ich schon schön.

  • Jan sagt:

    Ja, treffend beschrieben. Allerdings sind Cacher eine sehr heterogene Zielgruppe mit jedoch einem verbindenden Element ;)

  • sandmann sagt:

    Stimmt! Das trifft es sehr viel besser…

  • ksmichel sagt:

    Humor ist eine ernste Sache in Deutschland. Und leider muss man auch konstatieren, dass Satire manchmal nicht verstanden wird. Da fühlen sich viele schnell auf den Schlips getreten. Fängt bei lustigen Logeinträgen schon an und hört bei leiser humorig angehauchter Kritik am Cache nicht auf.

  • sandmann sagt:

    Aber damit muss Satire leben können. Humor ist eben nicht nur eine ernste, Humor ist auch mehr als vieles andere Geschmackssache… Und worüber einer lachen kann, ärgert sich der andere… Aber stell Dir mal vor, die großen Kabarettisten und Comedians würden sich davon abhalten lassen…

  • ksmichel sagt:

    Ich gebe ja auch nicht auf. Aber man muss akzeptieren, dass die Bandbreite zwischen “kicher” und “tobschnaubwüt” überraschend groß ist.

  • Consta sagt:

    Bei mir war zuerst mein Blog, und dann kam irgendwann Geocaching. Ich habe kurz mit den Gedanken gespielt, ein separates Outdoor-Blog zu starten, aber die Idee habe ich schnell aufgegeben. Ich fand es unmöglich schwer, kontinuierlich über ein bestimmtes Thema zu berichten. Ich kann so was nicht, und ich bewundere Menschen, die das wirklich machen. Ihr seid echt toll!;) Weiter so!

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