“Eine Verbindung vieler Hobbys” – Michael Zielinski im Interview

25. September 20072 KommentareEiner von 576 Beiträgen von sandmann

Michael Zielinski - Geocaching HamburgMichael habe ich – wen wunderts – über sein Blog kennen gelernt. Auf www.-hamburg.de veröffentlicht er nicht nur Tipps und Tricks und Tourempfehlungen, sondern auch zwei von ihm geschriebene Programme und eine lange Empfehlungsliste für Caches in und um Hamburg.

Michael Zielinski hat eine beeindruckende Statistik vorzuweisen. Zu dieser Statistik, zu seiner Motivation und zu seinen ersten Erfahrungen mit der Dosensuche habe ich ihn per E-Mail befragt.

Mehr als 5.500 gefundene Caches, Dein Schnitt liegt bei mehr als fünf, die Spitze bei 312 Funden in 24 Stunden – ehrlich: Geocaching ist mehr als eine kleine Leidenschaft oder?

Geocachen ist für mich eine Verbindung vieler Hobbys zu einem gemeinsamen Zweck.
Manchmal möchte ich einfach nur Radeln – dann kommen einfach Drive-In-Traditionals dran.
Manchmal ist mir nach Abenteuer – dann kommen längere Lostplace-Multis dran.
Manchmal ist mir nach Wandern – dann kommt ein Wandercache dran – der längste bisher war auf La Palma, wo wir beim Cache Fuentes eine Wanderung von 1/2 Tag pro Richtung hatten durch enge Schluchten und mit vielen Höhenmetern.
Aber auch Klettern und Abseilen sind Dinge, die mir Spaß machen.
Genau diese Vielfalt der Herausforderungen ist es, die mich fasziniert.
Und da meine Freundin das Hobby teilt, geniessen wir das Hobby auch zu zweit und erleben dadurch viel gemeinsam.

Wie hat es Dich erwischt?

Nach einer Radtour von Hamburg zum Bodensee habe ich mich geärgert, daß es so schwierig war, den empfohlenen Routen zu folgen.
An jeder Kreuzung erstmal der Blick auf die Karte – wo bin ich und muß ich hier abbiegen?
Daraufhin habe ich mir für weitere Touren ein GPS gekauft. Irgendwann bin ich dann auch im Januar 2002 über Geocaching gestolpert – ein paar Monate nach meiner Anmeldung habe ich dann meinen ersten Cache gesucht – einen Lostplace, Geheime Fabrik, 25 Kilometer östlich von Kassel.

Und wie wars beim ersten Mal auf Tour?

Meinen ersten Cache habe ich bei einer längeren Autofahrt als Pause eingeschoben. Mein Garmin etrex Legend hatte zwar Kartendarstellung aber kein Routing und so war schon die Anfahrt ein Abenteuer.
Beim Cache angekommen gab es Bunkerreste im Wald zu bewundern. Obwohl es ein Regular-Cache ist, haben wir zu zweit recht lange gesucht. Zum einen gab es viele Versteckmöglichkeiten aber vor allem fehlte uns als Anfängern der Blick für die typischen Cacheverstecke und Tarnarten. Aber es war schon ein erhebendes Gefühl als wir die Kiste dann öffneten (auch wenn mein spartanischer Log das nicht vermuten lässt)

Kannst Du erklären, wie 312 Caches an einem Tag zu machen sind?

Für so etwas braucht man Einiges:
- ein Team, das verrückt genug ist, 24 Stunden durchzucachen
- eine Gegend in der viele einfache Caches liegen
- genügend Verpflegung im Auto, um unterwegs keine Pausen einlegen zu müssen
- genügen Teammitglieder, so daß man sich auch mal etwas ausruhen kann
- sinnvolle Filterung der Caches mit GSAK und anderen Quellen (z.b. um gemeine Verstecke, die die Schwierigkeit unterbewerten auszufiltern)
- eine Routenoptimierung z.b. mit Microsoft Autoroute
- jede Zeitoptimierung, die man schaffen kann – z.B. ein kurzer, schnell schreibbarer Teamname
- einen Fahrer, der die Gegend kennt
- eine Stoppuhr, damit man nach einer Suchzeit von maximal drei Minuten abbricht
- grüne Abbiegerpfeile (Der virtuelle Grüne Pfeil in den Vereinigten Staaten hat den Vorteil, daß man bei entsprechender Routenplanung kaum an roten Ampeln rumstehen muß.)

Das ganze war schon eine sehr extreme Erfahrung die ich nicht unbedingt wiederholen möchte.

Dabei hast Du ja die halbe Welt durchsucht. Wo wars Geocaching am schönsten?

Am liebsten cache ich auf den Kanaren – weil ich dort dann im Urlaub bin und die konstanten mindestens 23 Grad machen das Geocachen sehr angenehm. Man hat Zeit für lange Wanderungen und kann auch den ein oder anderen Lostplace entdecken wie z.b. einen verlassenen Staudamm oder ein Geisterdorf .
Gerade im Urlaub sind natürlich die Caches an touristisch interessanten Stellen ein guter Anfang. Auf la Palma habe ich es mit etwas Mathematik geschafft, bei einem Multicache gleich bei der vorletzten Station anzufangen. Dennoch sind wir an den folgenden Tagen nochmal die ganze Tour abgefahren, weil alle Stationen an Stellen lagen, die wir uns auch ohne Geocache angeschaut hätten.
Insofern sind viele Caches im Urlaub eigentlich nur Sightseeing mit dem positiven Nebeneffekt, noch einen Caches zu finden. Statt einem Reiseführer schaue ich mir dann halt die Geocaches an, aber das Ergebnis ist ähnlich…

Aber auch hier in Deutschland habe ich viele tolle Verstecke und Orte durch das Geocachen entdeckt. Jede Region hat dabei ihre ganz eigenen Reize sowohl was die Geocaches als auch die Umgebung angeht.

Welchen Rat würdest Du einem Neuling mit auf die erste Suche geben?

Als Neuling wird man heutzutage durch die Masse der Geocaches erschlagen. Innerhalb der Hamburger Stadtgrenzen liegen über 750 aktive Geocaches. Das macht die Auswahl schwer und wenn man dann noch diverse eher langweilige Caches findet, kommt der Gedanke auf, daß alle Caches so sind/sein müssen. Insofern sollte ein Anfänger bevorzugt darauf achten, ob die Caches die er suchen will auf Bookmarklisten stehen. In vielen Gegenden haben sich solche Listen als Empfehlungen für schöne Caches etabliert. Für den Großraum Hamburg gehe ich mit meiner Website noch weiter, indem ich mehr als nur eine Bookmarkliste der schönsten Caches pflege, sondern über interessante Caches berichte.
Außerdem gebe ich Empfehlungen zu GPS-Geräten und versuche viele Einsteiger und Fortgeschrittenenfragen zu beantworten.
Davon abgesehen sollte man die Bewertung der Geocaches durchaus ernst nehmen. Gerade als Anfänger sind manche Caches wegen der fehlenden Erfahrung schwerer und Difficulty-4-Caches haben diese hohe Bewertung ja nicht ohne Grund….

Bist Du lieber allein, oder lieber mit anderen unterwegs? Warum?

Das kommt ganz auf den Cache und meine Absichten an. An manchen Tagen möchte ich einfach alleine unterwegs sein auf dem Rad und ganz meinen Gedanken nachhängen. Bei anderen Caches sollte man unbedingt nur in einer Gruppe unterwegs sein wie z.b. Lost-Places oder Abseilcaches. Aber gerade bei Nachtcaches liegt der Reiz für mich in der unheimlichen Atmosphäre, wo man jedes Geräusch verstärkt wahrnimmt. Da ist eine Gruppe mit mehr als zwei Leuten eher abträglich und macht aus dem Abenteuer eine harmlose Nachtwanderung…

Was macht einen guten Cache aus?

Für mich sollte ein Cache immer mindestens eine Besonderheit haben:
- eine schöne Aufgabe (z.b. Rätsel oder Multicaches)
- einen tollen Behälter – ich genieße es besonders, wenn ich das Versteck zwar sehe, aber es nicht als Cache erkenne
- ein toller Ort z.b. mit schöner Aussicht, ein Lost-Place oder sonstwie eine Besonderheit

Hast Du den nächsten schon im Blick?

Da ich seit 26. Dezember 2006 jeden Tag mindestens einen Cache suche, habe ich natürlich ständig einen Cache für den nächsten Tag im Blick. Aber fürs Wochenende habe ich noch Caches Richtung Lüneburg/Schwerin im Auge, die besonders schön sein sollen. Solche Empfehlungen hört man oft auf dem HCT Klönschnack (Hamburger Cacherstammtisch).

Vielen Dank!

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2 Kommentare »

  • geocaching-blog.de » Michael Zielinski im Interview sagt:

    [...] Einer der bekanntesten deutschen Geocacher Michael Zielinski mit mehr als 5.500 Finds vom Geocaching Hamburg Blog stand dem Sandmann vom Dosenfischer Blog in einem Mailinterview Rede und Antwort rund um seine Geocacherkarriere. Das komplette Interview gibt es hier im Dosenfischer Blog. [...]

  • Interview auf Dosenfischer.de « Geocaching Hamburg sagt:

    [...] , Hamburg   Der Sandman von Dosenfischer.de Blog hat mit mir ein Interview geführt, welches HIER nachzulesen [...]

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