SVZ auf Dosenfischertour

25. August 20076 KommentareEiner von 576 Beiträgen von sandmann

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Gehste mal ganz unverbindlich mit einem Freund auf Tour und Zack! steht zwei Wochen später ein Riesenartikel in der . Eine ganze Seite hat Roland Regge-Schulz von der Schweriner Volkszeitung heute unserem Hobby gewidmet und bis auf den fehlenden Verweis auf diese kleine Veranstaltung hier, bin ich mit dem Ergebnis sehr glücklich: Keine reißerischen Passagen, kein distanziert-journalistisches Lustigmachen über die GPS-gesteuerten Geo-Waldschrate… Im Gegenteil: Mit tendenziell warmherzigen Humor und korrektem Fachwissen beschreibt der Artikel, unsere Tour und vermittelt nebenbei einen guten Eindruck von dem besonderen Reiz, der uns zum treibt.

Dank einer überaus freundlichen Genehmigung der SVZ-Chefredaktion und eines Abonnentenzugangs kann ich Ihnen hier sogar den ganzen Artikel zur Verfügung stellen. Einmal als Bild und im Zeitungslayout und einmal als reinen Text. Nach dem Klick.

Geocaching mit den DosenfischernHeimatkunde für Schatzsucher
Beim Geocaching ist die Suche das Ziel / Mit Internet und GPS auf Entdeckungsreise

Wenn Schatzsucher ihren Rucksack packen, werden die Mitmenschen Muggel. Diese Bezeichnung für alle Nicht-Magischen haben sie sich bei Harry Potter geliehen. Muggel haben keine Ahnung, dass es neben ihrer noch eine andere Welt voller Schätze gibt. Knapp eine halbe Million sind weltweit versteckt,
fast 40 000 davon allein in Deutschland. Ein paar von ihnen sollten gehoben werden, mittels Koordinaten aus dem Internet und satellitengestützter Navigation. Protokoll eines Nachmittags an der Seite von zwei erfahrenen Schatzsuchern.

Roland Regge-Schulz

Noch 60 Meter.

Morsche Äste brechen knackend unter den Profilsohlen der wetterfesten Wanderschuhe. Nur ein schmaler Pfad schlängelt sich durchs Unterholz. Pilze warten auf ihre Sammler. Vereinzelt blitzen Sonnenstrahlen ins diffuse Halbdunkel.

Vor einer Stunde sind diese Schuhe über den heißen Beton am Fuße des Fernsehturms gestapft. Dort hatte man heute per Internet einen Schatz gemeldet, der noch jungfräulich auf den Erstfinder wartet. Das Navigationssystem hatte das Auto auf den nächstgelegenen Parkplatz gelotst. Die Koordinaten des Schatzes wurden in die mobilen GPS-Empfänger eingespeist. Nach nicht mal fünf Minuten hatte der Kleine seine Jungfräulichkeit verloren. Es war ein Minischatz, ein so genannter Microcache, bestehend nur aus dem Logbuch in einer Filmdose. Belohnung für die Finder, einzig der Eintrag ins Buch. Stolz an erster Stelle.

Noch 40 Meter.

Ameisen flüchten tiefer in den Wald, vor dem sicheren Tod unter der schweren Sohle. Noch haben die Schatzsucher keinen Blick für die Natur. Gebannt starren sie auf die kleinen Bildschirme ihrer GPS-Empfänger. Noch 25 Meter.

Der Boden senkt sich, fällt steil ab, zum urwüchsigen Flussbett der Warnow. Die Schatzsucher bleiben oben am Hang, halten sich links.

Am Ziel. Hier muss es sein, irgendwo. Unter dem dichten Blätterdach, umgeben von dicken Bäumen wird das Navigieren ungenauer. Ein paar Meter Differenz reichen aber schon aus, um die Suche massiv zu erschweren.

Jetzt muss es schnell gehen. Solange man in Bewegung war, hatten die Mücken keine Chance. Mit 2,5 km/h Spitzengeschwindigkeit sind sie selbst für Fußgänger zu langsam. Aber im Stillstand werden die Schatzsucher selbst zur Beute.

Hasengrill

Mit geübtem Blick schauen sie sich um und beginnen ihre Suche beim markantesten Baum der Umgebung.

Volltreffer. Eine Plastebox mit Kleinkram versteckt sich in einem Hohlraum an der Baumwurzel. Getarnt unter etwas Laub und Stöckchen. Die Stöckchen waren es, die dem Kenner-Auge den Schatz verrieten. Zu unnatürlich nebeneinander aufgereiht lagen sie.

„Ein Hasengrill“, sagen die Schatzsucher und lachen.

Der zweite Hasengrill des Tages. Kurz zuvor hatten sie den ersten in der Nähe von Peckatel entdeckt. Als Ziel eines sogenannten Multicaches, eines Schatzes für den man mehrere Stationen benötigt, um zu ihm zu finden. Außerdem ein „Mystery-Cache“. Für die genauen Koordinaten mussten sie Rätsel lösen und Zahlen finden. Und ganz nebenbei hatten sie erfahren, dass die Kirche von Peckatel die kleinste Dorfkirche Norddeutschlands ist.

Heimatkunde

Die eigentlichen Schätze sind die Orte, an denen man sie findet. Der weitaus größte Teil liegt an besuchenswerten Stellen versteckt. Malerisch an Seeufern oder in Schlossparks. Oder sie führen die Schatzsucher zu Naturdenkmälern und an geschichtsträchtige oder vergessene Orte. Wer weiß denn schon, dass es in der Nähe von Hagenow Überreste von Brücken gibt. Brücken, die einst die Autobahn von Berlin nach Hamburg tragen sollten und wie der KdF-Klotz in Prora nie fertig gestellt wurden.

Ein paar Stunden später werden die Schatzsucher vor einem kleinen Pavillon im Schlosspark von Klein Trebbow stehen. Hier hatten einst Schulenburg und von Stauffenberg zusammen gesessen und die letzten Absprachen für das Attentat auf Hitler getroffen. Das alles werden sie direkt von einer Informationstafel erfahren und versteckt auch die Koordinaten des nächsten Schatzes.

Der Stift kratzt über das Papier des Logbuches. Zufrieden schreiben die Schatzsucher Name, Datum und Uhrzeit hinein.

Heute am Abend werden sie das Gleiche noch einmal tun. Im Internet werden sie auch diesen Schatz für sich als gehoben melden und dem Verstecker für den Spaß danken. Es gehört sich so.

Die Schatzsucher holen aus den Tiefen ihres Rucksackes ein paar Kleinigkeiten, tauschen sie gegen einen Zauberwürfel. Die alte Truhe wird mit neuem Schatz wieder an gleicher Stelle versteckt. Sorgfältig abgedeckt mit einem Hasengrill.

Geschichte

Eine alte Melodie summt durch den Kopf: „Fünfzehn Mann auf des toten Mannes Kiste, Ho, ho, ho, und ’ne Buddel voll Rum.“ Das waren noch Zeiten. Der holzbeinige Long John Silver und Jim Hawkins mit der alten Schatzkarte auf der Suche nach Kapitän Flints Schatz.

Schatzsuche ist bei Kindern beliebt aber mitnichten ein Kinderspiel.

Die moderne Schatzsuche heißt Geocaching und entspringt einer Idee des Amerikaners Dave Ulmer.

Als am 1. Mai des Jahres 2000 die amerikanische Regierung die Verschlüsselung der GPS-Daten abschaltete und damit allen die Möglichkeit gab, mit einer Abweichnung von höchsten 10 Metern zu navigieren, versteckte Ulmer den ersten Schatz mit Kleinzeug im Wald bei Portland in Oregon. Die Koordinaten und ein paar Regeln veröffentlichte er im Internet. Er beschrieb seinen Schatz, sagte ein jeder möge sich ins Logbuch eintragen und wer etwas hinaus nehme, möge auch wieder etwas hinein legen. So gilt das Prinzip bis heute.

Der Schatz wurde binnen Tagen das erste Mal gehoben. Innerhalb der nächsten Wochen wurden in Amerika eine Reihe weiterer Schätze versteckt. Und nicht einmal einen Monat hatte es gebraucht, bis das erste Versteck aus Australien gemeldet wurde. Geocaching eroberte die Welt. Am 2. Oktober 2000 wurde der erste Cache in Deutschland gelegt.

Männersache

Geocaching ist meist Männersache. Das sieht man schon an der Ausrüstung.

Wenn eine Frau joggen gehen will, ruft sie ihre Freundin an und rennt los. Bevor ein Mann joggen geht, läuft er erst mal einkaufen. Hose, Turnschuhe, Schweißbänder und ganz wichtig: eine Pulsmessuhr mit Herzkasper-Warnsignal und Stoppfunktionen.

Eine Frau würde einfach so aus Spaß auf Schatzsuche gehen. Bevor ein Mann geht, packt er erstmal seinen Rucksack, Handschuhe kommen hinein, man weiß ja nie, wo man heute hineinfassen muss, eine Regenjacke, Dinge zum Tauschen, Taschenlampe, Kompass, leere wasserdichte Behälter und etwas Proviant, man weiß ja nie wie lange es dauert. Ein handfestes Seil oder eine Strickleiter und ein wenig Werkzeug liegen zur Sicherheit im Kofferraum des Autos bereit. Und das Wichtigste überhaupt ist der mobile GPS-Empfänger. Nur mit seiner Hilfe findet man den Ort des versteckten Schatzes.

Auf dem Weg zum letzten Cache des Tages erzählen die Schatzsucher von Verstecken, die man nur nachts finden kann, wenn Reflektoren im Schein einer starken Taschenlampe den Weg weisen. Sie erzählen von Schätzen, die man nur mit dem Boot erreicht, von Verrückten, die mit dem Flugzeug in die Wüste geflogen sind, um einen Schatz zu heben. Und sie erzählen von wunderbaren Ausflügen mit der ganzen Familie, von elektrisierten Kindern und begeisterten Frauen, die sich freuen, dass ihre Männer mit ihnen spazieren gehen.

Sie erzählen von der Sucht Geocaching. Und sie nennen es anfixen, wenn sie Freunde mit auf Schatzsuche nehmen.

Finale

Während sie erzählen, heben sie den letzten Schatz für heute. Er liegt wunderbar versteckt in einem auffälligen Baum am waldigen Ufer eines klaren Sees.

Sechs Stunden liegen hinter ihnen von der Planung bis zur Heimfahrt. Knapp hundert Kilometer mit dem Auto und etliche zu Fuß. Fünf Schätze haben sie gehoben und einen selbst gelegt.

Vor ihnen liegt eine Enttäuschung. „Wir machen noch schnell den Cache am Lankower See“, wird voll in die Hose gehen. Noch schnell dauert über eine halbe Stunde erfolgloser immer wieder von Muggeln gestörter Suche.

Eine Grundregel der Geo-Cacher lautet: Der Schatz ist da, ich bin nur zu blöd, ihn zu finden.

Als sie abbrechen, sind sie sich einig: Dieser Schatz ist gemuggelt! Soll heißen: zerstört, geklaut, entfernt.

Bestimmt.

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6 Kommentare »

  • Wir sind nicht alleine … bei den cache test dummies sagt:

    [...] auch auf Tour. Mit Journalisten. Rausgekommen ist ein ganzseitiger Artikel in der SVZ, den man auch bei den Dosenfischern nachlesen [...]

  • longroad.de - Das Unterwegs-Blog - sagt:

    [...] ich weiß ist, dass die Betreiber der Blogs Dosenfischer und Cache-Test-Dummies unabhängig von einander mit lokalen Zeitungen zum Cachen unterwegs waren und [...]

  • Martin sagt:

    Achso – deswegen macht ihr das – um in die Zeitung zu kommmen – na, dagegen kann man natürlich nix sagen ;)

  • sandmann sagt:

    MAMA… ich will ims Färnsehen!

  • longroad.de sagt:

    Geocaching in den Medien…

    Ich weiß nicht, ob man es unbedingt schon als Medienhype bezeichnen sollte, dass Geocaching derzeit doch öfter in Presse und Fernsehen beachtet wird. Ich weiß auch nicht, ob es mit dem Buch von Bernhard Hoëcker Aufzeichnungen eines Schnitzeljägers…

  • 13. Oktober: Wir sehen uns auf dem Schulzenhof - DOSENFISCHER.de sagt:

    [...] und seine Familie. Roland ist ein Freund, geht selber dann und wann mal los und hat den schönen Beitrag in der SVZ [...]

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