Geocaching: Geschichte und Geschichten

22. August 20075 KommentareEiner von 576 Beiträgen von sandmann

Erinnern Sie sich: Noch in den 90er Jahren hatten Besitzer von Nobelkarossen eine dicke Kiste im Kofferraum, die nur dazu diente, die Navigation sicher zu stellen. Ein CD-Rom-Laufwerk als Datenquelle machte die Sache erschütterungsanfällig und oft genug stammelte die Damenstimme nur noch “Bitte wenden Sie”. Irgendwann passte das Gerät nebst CD in ein etwas vergrößertes Autoradio, heute reicht mein Handy mit einer Speicherkarte.

Militärtechnik für Tupperjäger
Was Geocacher beim Tupperdosen-Suchen unterstützt, ist nicht irgendein Global Positioning System (GPS), sondern das „Navigational Satellite Timing and Ranging – Global Positioning System“ (NAVSTAR-GPS) des US-Verteidigungsministeriums. 1973 gestartet war es 1993 bedingt funktionsbereit – damals schwebten 24 entsprechende Satelliten im Orbit. Vollständig funktionierte das Ganze 1995. Heute sind 31 Satelliten unterwegs.

Anfangs war die zivile Nutzung des GPS eingeschränkt. Eine künstliche erzeugte Ungenauigkeit brachte für alle, die nicht über einen bestimmten Schlüssel verfügte, Fehlmessungen von mehr als 100 Meter mit sich. Erst seit dem 1. Mai 2000 liefert das System präzise Daten. Präzise – dass kennt der Geocacher – heißt, dass bei herkömmlichen Geräten Unschärfen von bis zu sechs Meter normal sind.

Der erste Cache
Über den ersten Geocache gibt es verschiedene Ansichten. Wikipedia: “Das erste bekannte “Geocache” wurde von Nuuksion Metsäsissit seit den 1980ern in der Gegend um Helsinki in Finnland nur mit Hilfe einer Landkarte und einer Genauigkeit von 10 Metern praktiziert.” Da aber viele Menschen der Ansicht sind, dass untrennbar mit dem GPS verbunden ist, gilt Dave Ulmer als der erste Geocacher. Geocaching.de: “Am 3. Mai 2000 schlug Dave Ulmer einen Weg vor, das Ableben der Selektiven Verfügbarkeit (also der oben genannten Unschärfe d.A.) zu feiern. Er versteckte einen Pott mit Krimskram in den Wäldern bei Portland/Oregon und veröffentlichte die Position des Versteckes in einem Posting in der Newsgroup sci.geo.satellite-nav.” (Geocaching.de bietet den wohl umfassendsten Abriss zur Geschichte des Geocachings)

Geocaching in den Medien
Seit wann die deutschsprachigen Medien über Geocaching berichten, ist für mich nicht recherchierbar. Die großartige Linksammlung hier führt als ältesten Artikel einen Text aus der der Stuttgarter Zeitung von 2002 auf. Bei www.kryptoco.de sind Videos und Radiobeiträge zum Geocaching gelistet allerdings fehlen die Datumsangaben. Der NDR hat 2005 im Nordmagazin einen äußerst sehenswerten Beitrag zum Ausbringen und Finden des Caches “Grambower Moor” gesendet.

Hype
Sicher scheint mir, dass das Geocaching derzeit einen Hype erfährt. Es ist selbstverständlicher geworden, einen GPS-Empfänger zu besitzen. Immer mehr Mobiltelefone bringen den Empfänger und entsprechende Software mit. Und auf dem Markt für freie Software findet sich eigentlich alles, was das Herz begehrt. Mir scheint auch, als wenn wir mit dosenfischer.de nicht das einzige Blog sind, das gerade zum Thema startet, ganz abgesehen von den vielen Zeitungsartikeln (Ich bin fast sicher, dass sich die SVZ auch noch einreiht). Das im Artikel zuvor gelobte Plugin zum Beispiel ist deshalb entstanden, weil der Berliner Geocacher Thomas Schneider von den Cache-Test-Dummies Touren gemeinsam mit interessierten Journalisten planen wollte.

Nun mag es auch am Sommerloch liegen – in jedem Fall scheint mir, dass das Interesse allerorten steigt.

Das wiederum trifft sich gut, hatte ich doch schon Angst, bald etwas weiter fahren zu müssen, dann nämlich, wenn ich die Verstecke in der Nähe abgegrast habe. (“weiter” ist übrigens relativ: Im Umkreis von 80 Kilometern um Schwerin findet Geocaching.com 1566 Caches.) Wenn der Hype nun dazu führt, dass ein paar Leute, so wie ich, hängen bleiben, muss mir ums hier um Schwerin nicht Bange sein.

Gar nicht Bange sondern regelrecht froh bin ich, wenn ich mir vorstelle, wir würden heute mit den dicken Kisten aus den Nobelkarossen der 90er Jahre Cachen gehen. Dann schließe ich kurz die Augen und bedanke mich herzlich beim technischen Fortschritt himself.

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5 Kommentare »

  • rehwald sagt:

    Naja, Hype ist zuviel gesagt. Die Artikel zum Geocaching gabs eigentlich in den letzten 3 Jahren immer wieder. zuerst nur in den Medien der Technik-Freaks (ich selbst hab zum ersten mal in der c’t davon gelesen, damals gab es ganze 3 Caches in der Gegend um Schwerin und Wismar, von Lübeckern gelegt) später dann auch in den allgemeinen Online-Medien und kurze Anrisse in großen Magazinen. Und viele Cacher heißt auch viele Caches in der eigenen Umgebung.
    Achja, nicht jeder Geochache-Interessierte chached selbst. Ich beobachte das Geschehen schon seit mehr als 5 Jahren und habe selbst noch nicht einen Chache aktiv gehoben (gesucht und auch gefunden schon, aber nicht mit GPS und auch nicht gelogt, obwohl Accounts vorhanden).

  • sandmann sagt:

    Mh… Letzteres find ich ja spannend. Ich hätte gedacht, dass, wer sich interessiert, auch früher oder später gezielt losstapft.

    Dass viele ihre Besuche gar nicht im Internet loggen, ist mir beim Logbuchblättern auch schon aufgefallen.

  • rehwald sagt:

    Naja, wenn ich irgendwo unterwegs bin und von nem Cache dort weis und mich auch noch an die Beschreibung(“ist in der Skulptur, die wie ein Anker aussieht” z.B.), dann hab ich da schon mal nachgeschaut. Caches die sich nur mit GPS finden lassen, weil irgenwo im Wald in einer Astgabel (ist ja nicht so, dass sowas im Wald selten wäre) habe ich allerdings noch nicht gefunden (weil halt nicht aktiv gesucht). Hab zwar ein GPS-Empfänger, aber der hat immer dann keinen Empfang oder die Batterien sind leer, wenns drauf ankommt(schon bei einigen Spaziergängen ausprobiert).

  • Dosenfischen - der Podcast 28 - DOSENFISCHER.de . sagt:

    [...] – das sind die Leute, die auf Geocaching.com Caches freischalten, also sowas wie Moderatoren sind Geocaching-Geschichte – haben wir hier im Blog mal aufbereitet Geocaching-Linkliste – mehr geht [...]

  • Bilbo Cacher sagt:

    Da die Beiträge schon etwas älter sind, werde ich einmal etwas zum Thema Hype schreiben.

    Ich cache “erst” seit 010108, jedoch ist dieses Hobby ein sehr Wichtiges für mich, das ich sehr ernst nehme und mit einem gewissen Respekt behandle.

    Ich gehöre auch zur Untergruppe “Nachtcacher”, für mich hat gerade die Saison begonnen :-)

    Ich kann mich nicht als Cacher der “alten Schule” bezeichnen, jedoch merke ich zunehmend, wie sich die Anhänger dieses Hobbys in verschiedene Gruppen trennen und das macht mir ein bisschen Angst.

    Hier meine Teufelskreistheorie:

    Immer mehr Jungs laufen mit ihrem iphone durch den Wald und machen statistikcachen.

    Sie suchen Tradi Micros und sind der coolste wenn sie mehr Cache auf der Uhr haben wie der Banknachbar.

    Diese Punktecacher bekommen so nicht mit, was hier eigentlich im Wald abgeht. Sie merken nicht was für Premium und Hardcorcache in Wald, Feld und Flur versteckt sind. Welche Abenteuer wirklich warten, wenn man diesem Hobby nur ein bisschen mehr Aufmerksamkeit widmen würde.
    Diese Cacher lernen also wirklich gute Cache nur selten kennen.

    Theorie 1:

    Die “Quanti” Cacher wollen auch mal einen Cache verstecken….. Das Unheil nimmt seinen Lauf, Micros werden an “tollen” Orten versteckt:

    - Micro in Lüftungsschlitzen eines Parkhauses
    - Micro an einem einsamen Strandabschnitt mit toten Fischen, stinkendem Müll und anderem unappetitlichen Sachen
    - Micro vor einem Seebad, an dem 32.525 Fahrräder stehen und dazwischen doppelt so viele Muggels umherrennen.
    - Micro in einer Leitplanke
    - Micro in der Fußgängerpassage einer großen Stadt

    diese Liste kann jeder sicherlich bis ins unermessliche verlängern.

    Wenn es eine “Anti Tradi-Micro” Bewegung gibt schließe ich mich an. Ich hasse Filmdosen, es sei denn Sie werden als Zwischenstation genutzt oder die Eigenschaften des Objektes lassen keine andere Dosengröße zu.

    Moral der Geschichte: durch den Hype verschlechtert sich die durchschnittliche Cachequalität.
    Abmerkung nebenbei: Was haltet Ihr von GCVote?

    Theorie 2:

    Unsere Quotencacher haben alle einfachen Cache abgegrast und müssen sich nun Wohl oder Übel an Cache wagen, die mehr als einen Stern bei D+T haben. Manche versuchen sich sogar an Extrem oder HC Cache. Sie scheitern kläglich und zerstören wütend die aufwändig gelegten Cache. Beispiel “Biohazard” (123Maine) dieser hat mehrere 100 Euro gekostet. Bei weiteren wunderschönen Cachen muss ich das Gleiche beobachten. Die Cache werden geschlossen, weil sie mutwillig zerstört werden und die Owner logischerweise irgendwann keine Lust mehr haben ständig Geld in eine Sache zu investieren, die nicht mit den nötigen Respekt behandelt wird.

    Moral: durch den Hype verschlechtert sich die durchschnittliche Cachequalität.

    Ich hoffe nur, das es nicht noch mehr leidenschaftslose Neucacher gibt, sondern sich der Hype etwas legt und sich die Spreu von Weizen trennt und nur die “guten” übrig bleiben.

    Hier noch ein paar Suchvorschläge:

    Wer im Süden von Berlin unterwegs ist, dem empfehle ich folgende Cache:

    GC1ZCG0 (4,5/3,5 > FTF Chance)
    GC1J6ER (4,5/4,5)
    GC1FYCB (3/2)

    Wer auf Erforschen von alten Militärgebieten und Bunkern steht, empfehle ich die Cache von Hornesia, Anfall2000 und Wuppel (Umland von Berlin).
    Quasi Premium Abenteuer LP, mit dreckig machen und in Deckung gehen. Spiel, Spaß und Spannung für die großen ist hier garantiert.

    Wer im Nürnberger Raum sucht, den kann ich momentan nix empfehlen, da meine Favoriten alle archiviert wurden (z.B. Paul Mattuschka, Biohazard, Mittelerde I usw.)

    Bis bald im Wald sagt Bilbo Cacher im Oktober 2009

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